Was bringt 2006?

Was bringt 2006?, 01.01.2006


Eine astrologische Vorausschau auf das neue Jahr.

Wie lassen sich astrologische Jahresprognosen überhaupt erstellen?


Die Planetenkonstellation zum 1.1.2006
Methode 1: Das Geburtshoroskop des neuen Jahres
Zunächst kann man wie auf jedes Ereignis ein "Geburtshoroskop" berechnen. Die Geburtsminute des neuen Jahres ist bekannt: 00:00 Uhr (wir beziehen uns dabei auf Greenwich bei London). Da das neue Jahr nicht an einem Ort "geboren" wird, müssen wir auf eine Ortsangabe verzichten und damit auch auf Horoskopfaktoren wie zum Beispiel den Aszendenten, der sich nur errechnen lässt, wenn man auch den Geburtsort weiß. Welches Bild sich dann für 2006 ergibt, sehen Sie hier rechts.

Nicht alle Bestandteile dieses Horoskopbildes können wir deuten. Denn natürlich befindet sich die Sonne am 1. Januar eines beliebigen Jahres immer auf ca. 10 Grad Steinbock. Da Merkur und Venus sich zudem immer in Sonnennähe aufhalten, sind auch hier die Aussagegrenzen schnell erreicht. Alle anderen Planeten können in ihren Zeichen gedeutet werden. Spannend sind zudem die Aspekte, die die Planeten im "Geburtsmoment" des neuen Jahres machen.

Für alle, die mit der zeichnerischen Darstellung nicht so sehr vertraut sind, hier eine Auflistung.

Planeten in Zeichen:
  • Sonne in Steinbock
  • Mond in Steinbock
  • Merkur in Schütze
  • Venus in Wassermann
  • Mars in Stier
  • Jupiter in Skorpion
  • Saturn in Löwe
  • Uranus in Fische
  • Neptun in Wassermann
  • Pluto in Schütze
  • aufsteigender Mondknoten in Widder
Aspekte:
  • Merkur Konjunktion Pluto
  • Mars Opposition Jupiter
  • Mars Quadrat Saturn
  • Mars Quadrat Neptun
  • Saturn Quadrat Jupiter
  • Jupiter Quadrat Neptun
  • Mars Trigon Sonne
  • Mondknoten Quadrat Sonne
  • Uranus Sextil Sonne
  • Uranus Sextil Mars
  • Saturn Quinkunx Sonne
Zudem:
  • Venus rückläufig
Doch was heißt das nun konkret?
Zwei Faktoren erscheinen mir besonders wichtig: die Verbindung des Kommunikationsplaneten Merkur zum Tabubrecher Pluto und die vielen Aspekte, die Mars erhält.

Merkur-Pluto ist eine Entdecker-Konstellation. Es geht darum, in die Abgründe zu schauen, den Finger in die Wunde zu legen und aufzudecken, was bisher zugedeckt geblieben ist. Im Schütze-Zeichen hat es dabei auch meist was mit Überzeugungsfragen, Glauben und Ideologien zu tun. Die Enthüllungen um die Folter, die der amerikanische Geheimdienst weltweit praktiziert, sind eine erste Vorahnung, was diese Gestirnskonstellation im Gepäck führt. Auch im eigenen Leben empfiehlt Merkur-Pluto gnadenlose Ehrlichkeit. Seien Sie authentisch! Es wird zudem von Ihnen verlangt!

Zentral in das Aspektbild eingebunden ist Powerplanet Mars. Gemäß den Regeln der klassischen Astrologie steht er schwach (da er sich im "weiblichen" Zeichen Stier aufhält). Die Quadrate von Saturn und Neptun werden gleichfalls als Herausforderung beschrieben. Im Jahreshoroskop steht Mars für Energie, aber auch für kriegerische Auseinandersetzungen, für die Polizei, für alles was mit Kampf zu tun hat, auch für den Wettkampf – hier muss ich an die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft denken. Neptun sind Verschleierungen, Lug und Trug, der schöne Schein, die Illusion. Saturn hingegen fordert Klarheit, Konzentration und Genauigkeit sowie die Übernahme von Verantwortung. Hin und her gerissen zwischen diesen Polen kommt Mars nicht recht vom Fleck. Rund um das Fußballgeschehen könnten daher auch unsaubere Machenschaften, Mauscheleien, falsche Vorstellungen (alles Neptun) kollidieren mit dem Wunsch nach Fairness, klaren Verhältnissen, Gerechtigkeit und Meisterschaft (alles Saturn).

Methode 2: Die Planetenbewegungen im neuen Jahr
Es gibt eine zweite Vorgehensweise, Entwicklungen im neuen Jahr astrologisch abzulesen: wir beobachten, welche Bewegungen die Planeten in den kommenden zwölf Monaten machen. Dabei sind vor allem die Übergänge der langsam laufenden Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) von einem Zeichen in das nächste wichtig. Außerdem beachtenswert: die Rückläufigkeit der schnell laufenden Planeten (Merkur, Venus, Mars). Schließlich sind auch hier die Aspektverbindungen der Planeten untereinander relevant. Davon gibt es allerdings so viele (täglich!), dass wir im Jahresüberblick natürlich nicht alle berücksichtigen können.

Auch hier eine Übersicht, welche wichtigen Planetenbewegungen 2006 zu erwarten sind:
  • Bis 4.2. ist Venus rückläufig
  • Das Jupiter-Neptun-Quadrat (siehe oben) bleibt bis Ende April erhalten
  • Mitte April bis Ende Mai: Jupiter Trigon Uranus
  • Anfang Juni bis Ende Juli: Jupiter Quadrat Saturn
  • Anfang August bis Ende September: Saturn Opposition Neptun
  • Anfang August bis Mitte September: Jupiter Trigon Uranus
  • Anfang September bis Mitte Oktober: Jupiter Quadrat Neptun
  • Anfang September bis Mitte November: Jupiter Quadrat Saturn
  • Ende September bis Jahresende: Pluto Trigon Saturn
  • Am 25. November betritt Jupiter das Zeichen Schütze
Es fällt auf: Zeichenwechsel der langsam laufenden Planeten finden (bis auf Jupiter im November) nicht statt. Salopp gesagt: es bleibt alles beim Alten. Nein – so stimmt das natürlich nicht. Aber es zeigt, dass die Themen des letzten Jahres weiter bearbeitet werden müssen. Ein kalendarischer Jahreswechsel, der ja auch etwas willkürliches hat, sorgt eben nicht automatisch für eine Tabula rasa.

Einen gespannten Widerspruch in sich tragen stets die Jupiter-Saturn-Quadrate. Denn hier treffen zwei Planeten aufeinander, die antagonistisch zueinander sind: Jupiter vertritt Weite, Optimismus, Zukunft, Größe, Expansion, Saturn hingegen Enge, Pessimismus, Vergangenheit und Konzentration. Im Geburtshoroskop ist solch ein Aspekt oft ein Indikator für das Ambivalenzgefühl, einerseits Nabel der Welt, andererseits ein Sandkorn in der Wüste zu sein. Da Saturn sich im Löwen aufhält, sich also nach der klassischen Würdenlehre im Exil befindet, lässt sich vermuten, dass in der Auseinandersetzung beider Planeten Jupiter "ein klein wenig stärker" ist. Doch wahrscheinlich macht das nicht viel aus. Gefragt ist, die Visionen für die Zukunft unter realistischen Bedingungen umzusetzen. Wir werden aufgefordert, hart an der Verbesserung der Welt zu arbeiten.

Am stärksten zu berücksichtigen ist jedoch die Opposition von Saturn und Neptun. Hier trifft Sicherheit (Saturn) auf Unsicherheit (Neptun), Stabilität auf Instabilität, Realismus auf Träumerei. Wir müssen uns fragen, welche Sehnsüchte wir verwirklichen können und von welchen Ansprüchen wir lassen müssen. Neptun-Saturn möchte den Himmel auf Erden; aber scheitert oft an der irdenen Schwere. Es sind eben doch die Maulwurfhügel, über die wir stolpern – nicht die hohen Berge. Sobald Jupiter dazu im Quadrat steht, werden Hoffnungen angefeuert, dass die Verbindung doch gelingen möge, man das Unmöglich wahr machen könne.

In der Mundanastrologie (die politische, gesellschaftliche Astrologie im Unterschied zur Nativitätsastrologie, also zur Betrachtung des individuellen Geburtshoroskop eines Einzelnen) steht Neptun auch für den Bereich der Traumfabriken, für die Werbe- und Filmbranche. In diesen Geschäftsfeldern könnten harte Einschnitte erforderlich sein. Wer es schafft, den Aspekt positiv zu nutzen, dürfte mit Dokumentarfilmen gut dastehen. Das Interesse an konkreten, irdischen und verantwortungsvollen Themen auf der Leinwand wird wohl ansteigen. Dahinter verbirgt sich eben der Wunsch, Schein und Sein miteinander in Verbindung zu bringen.

Saturn und Neptun stehen auf der Individualitätsachse Wassermann Löwe. Das heißt, Themen der Selbstverwirklichung müssen hinterfragt werden. Welche Hoffnungen kann ich mir innerhalb bestehender gesellschaftlicher Systeme machen? Wo sind persönliche Einschnitte zugunsten der Gemeinschaft gefragt? Wo muss ich für übergeordnete Ziele und Visionen meinen Arbeitsbeitrag leisten? Aber auch: Wo werde ich mit Illusionen konfrontiert? Welche Rolle spielt dabei Spiritualität und Sensibilität? Gerade das ist nämlich die große Chance, die in diesem Aspekt liegt: dass Feingeistiges als Chance für die Zukunft erkannt wird. Dass jetzt gerade der Film What the Bleep do we (k)now (deutscher Titel: Ich weiß, das ich nichts weiß) anläuft, ist symptomatisch. Hier wird gezeigt, dass Naturwissenschaft inzwischen alte spirituelle Weisheiten bestätigen. Das Vertrauen in das, was wir nicht wissen, könnte, so paradox es auch zunächst klingen mag, tatsächlich ein Ausweg aus der Krise sein. Dem Machbarkeitswahn jedenfalls erteilt die Saturn-Neptun-Opposition eine klar Absage!

Auf einige Fragen haben Sie in diesem Text keine Antwort gefunden: Gibt es Unwetter? Stürme? Katastrophen? Krieg? Terroranschläge? Attentate?
Natürlich wird es all dies leider auch 2006 wieder geben. Ein paar Glamour-Astrologen werden dies auch mal wieder für das neue Jahr prophezeien. Nicht immer kann man ihnen dabei einen Vorwurf machen. Denn die Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender, die diese "Nachrichten" dann verbreiten, üben starken Druck aus, solche Meldungen zu erhalten. Ich weiß dies aus eigener Erfahrung. Wer diesem Druck nicht standhalten kann, wird womöglich zu Profanaussagen verleitet. Manchmal dreht man dem Astrologen auch einfach das Wort im Munde um oder erfindet gar eine "Aussage". Versuchen Sie mal, hinterher das Gegenteil zu beweisen. Das schlechte Image, mit dem sich die seriöse Astrologie herumschlagen muss, ist nicht zuletzt der Verflachung unserer Medienlandschaft geschuldet. Ich kenne die Medienszene anderer Länder nicht. Aber von Deutschland kann ich sagen, dass sich die Journallie schämen müsste. Sie trägt maßgeblich zur Volksverdummung bei! Wortbeiträge im Hörfunk dürfen die 30-Sekunden-Grenze nicht überschreiten, weil man dem Hörer keine längere Aufmerksamkeit zutraut. Texte in Zeitschriften müssen auf einen knackigen Kernsatz reduziert werden, der eine konkrete Prognose sowie einen praktischen Tipp beinhalten soll. Geistreiches geht dabei verloren. Weisheit lässt sich eben nicht in eine Schlagzeile pressen. Astrologie fordert zur Selbstauseinandersetzung auf. Wer pure (Katastrophen-)Prognosen sucht, sollte die Finger vom Horoskop lassen.



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