Pluto in Steinbock
Pluto in Steinbock, 26.01.2008
Der Zwergplanet Pluto benötigt knapp 248 Jahre, um einmal um die Sonne zu wandern. Das heißt, bis er auf dem Tierkreis von einem Punkt wieder zum gleichen Punkt gelangt, vergehen 248 Jahre. Oder noch anders gesagt: ein plutonisches Kalenderjahr entspricht 248 Kalenderjahren auf der Erde. Kein Mensch auf der Erde wird daher einen ganzen Pluto-Umlauf miterleben. Gleichzeitig ist aufgrund der Langsamkeit der Bewegung jede Veränderung besonders auffällig und auch besonders wichtig. Wenn Sie täglich mit Ihrer Mutter telefonieren, ist jedes einzelne Gespräch nicht bedeutungsvoll. Sprechen Sie hingegen nur alle 20 Jahre miteinander, wird Sie dieses eine Telefonat durchaus als bedeutsam beschäftigen.
Nun tritt am 26. Januar diesen Jahres Pluto in das Tierkreiszeichen Steinbock ein. Das letzte mal fand dies vor 248 Jahren statt. Wir können also davon ausgehen, dass es sich um ein seltenes, das heißt auch bedeutendes Ereignis handelt. Doch erwarten Sie jetzt bitte nicht direkt am 26.1. irgendwelche weltbewegenden Katastrophen oder Glücksfälle. Schließlich benötigt Pluto 17 Jahre, um das ganze Steinbockzeichen zu durchqueren. Wir sprechen also von einer Entwicklung oder von Trends, wenn wir Pluto im Steinbock deuten. Es ist ein Generationenaspekt und es sind gesellschaftliche Themen und Stimmungen, die damit angezeigt werden. Keine einmaligen Hoppla-Events.
Worum geht es? Was symbolisiert Pluto im Steinbock?
Dazu müssen wir uns zunächst vergegenwärtigen, was die astrologische Tradition mit dem Zeichen Steinbock in Verbindung bringt. Dabei geht es hier nicht so sehr um individuelle Charaktermerkmale, sondern um gesellschaftliche Themen. So hat Steinbock beispielsweise mit Verwaltungsstrukturen zu tun, aber auch mit der Sicherheitsfragen (z.B. innere Sicherheit). Steinbock ist ein Erdzeichen und führt Festigkeit und Normen und Regeln im Gepäck. Überall dort, wo uns in Staat und Gesellschaft Normen und Regeln begegnen, werden wir mit Steinbock-Themen konfrontiert. Ganz deutlich spüren wir dies im Justizbereich. Denn dort werden unsere Normen und Regeln gestaltet und deren Einhaltung überwacht. Aber auch andere Überwachungsinstanzen, wie beispielsweise die Gewerbeaufsicht oder der Zoll, gehören mit in diese Kategorie.
Bislang haben wir überlegt, wofür das Zeichen Steinbock steht. Da nun Pluto sich durch dieses Zeichen bewegen wird, ist als nächster Schritt erforderlich, sich über die Bedeutung Plutos in der Astrologie Gedanken zu machen.
Pluto steht für Macht und Ohnmachterfahrungen. Er ist eine gestaltwandelnde Kraft, die tiefgreifende Veränderungen hervorbringt. Dabei wird nicht selten das Innere nach Außen gekehrt. Wo er auftaucht, geht alles mit enormer Intensität einher. Leidenschaft und Tiefgründigkeit sind typische Pluto-Begriffe.
Wie lässt sich nun beides, Steinbock und Pluto, miteinander verbinden? Worum geht es also, wenn Pluto die nächsten Jahre durch das Steinbock-Zeichen läuft?
Debatten über Sicherheit (Steinbock) werden mit Leidenschaft (Pluto) geführt. Dabei kann es passieren, dass Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern gemacht werden. Vor machtmissbräuchlichen (Pluto) Übergriffen im Namen von "Recht und Ordnung" (Steinbock) werden sich nicht alle Beteiligten schützen können. Die Vorratsdatenspeicherung, die seit dem 1. Januar praktiziert wird und verlangt, dass jede Telefon- und Internetverbindung, jeder Mailwechsel und jeder Handyaufenthalt für die Dauer von sechs Monaten zu speichern sind, ist ein erstes Anzeichen von Pluto in Steinbock. Hier wird ein ganzes Volk zu Verdächtigten erklärt. Datenschützer befürchten, dass die Sammelwut auch missbräuchlich verwendet werden kann und, salopp formuliert, ein Anruf bei einer Schuldnerberatung demnächst zu einem Negativ-Eintrag in der Schufa führen kann.
Mit Pluto im Steinbock wird die Überwachung noch stärker werden; stets im Namen der Sicherheit. Kritiker werden schließlich von "Zensur" und "Zwangsmaßnahmen" sprechen.
Zu rechnen ist auch damit, dass im Justizwesen (Steinbock) dreckige Wäsche gewaschen (Pluto) wird. Der Rechtsapparat in der Bundesrepublik Deutschland ist bislang weitgehend vor Kritik gefeit gewesen – möglicherweise ändert sich dies im nächsten Jahrzehnt, wenn stärker ans Tageslicht kommt, dass auch auf Richterstühlen nur Menschen mit Fehlern sitzen; doch deren Begierden haben eben schwere Folgen für Einzelne und es könnte lohnenswert sein, sich dem Tabu (Pluto) Unfehlbarkeit der Amtsautorität (Steinbock) zu widmen. Überhaupt ist mit dem Aufdecken mehrerer Korruptionsskandale (Pluto) in Politik und Verwaltung (Steinbock) zu rechnen. Nichts, worüber man sich auf Anhieb freut – aber wichtig, damit mehr Ehrlichkeit (Pluto) einzieht in verfilzte Strukturen (Steinbock). Denn der Kosmos möchte uns nicht quälen. Pluto-Veränderungen zielen immer darauf ab, wahrhaftiger zu werden und (kollektiv) Verdrängtes ans Tageslicht zu holen. Nur was in der Sichtbarkeit ist, kann verändert werden. Und genau darum geht es.
Rechtsfragen werden nicht nur in Bezug auf das bundesdeutsche Justizsystem erörtert werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass übergreifendes Recht, also beispielsweise Menschenrechte, Kinderrechte, Minderheitenrechte etc. eine globale Herausforderung werden. Sowohl, dass diese Rechte mit Füßen getreten werden als auch, dass sich Menschen verstärkt dafür einsetzen. Da Pluto mit im Spiel ist, wird es dabei nicht immer lieblich zugehen. Im Gegenteil ist damit zu rechnen, dass mit harten Bandagen gekämpft wird.
Steinbock ist zudem ein technisch-rationales Zeichen. Das Materielle, Direkte, Greifbare, Faktische wird dem Feinstofflichen, Indirekten, schwer Fassbaren, Theoretischen vorgezogen. Kein Wunder also, dass während der letzten Pluto-in-Steinbock-Periode die Dampfmaschine erfunden wurde. Wer wollte daran zweifeln, dass diese Erfindung nachhaltig unsere Lebenswirklichkeit kolossal verändert hat? Auch der "Dampfkraftwagen", der als Vorläufer des Automobils gilt, wurde entwickelt, als Pluto letztmalig ins Steinbock-Zeichen eintrat. Dass Wissenschaftsfanatismus (Wissenschaft = Steinbock, Fanatismus = Pluto) zu Absurditäten führen kann, lässt sich ebenfalls entnehmen, wenn wir zurück schauen: 1772 fanden Naturwissenschaftler heraus, dass Eunuchen ebenso wie andere Männer Stromschläge spüren! Auf welche bahnbrechenden Forschungsergebnisse werden wir uns nun bei diesem Besuch Plutos im Steinbock einstellen müssen? Auf jeden Fall wird es sich lohnen, Wissenschaft und Forschung im Auge zu behalten. Vor allem dort, wo Konservatismus (Steinbock) und festgefahrene, verknöcherte Strukturen (Steinbock) vorherrschen, werden in den nächsten 17 Jahren Bestrebungen entstehen, einerseits die erlangte Macht (Pluto) weiter zu verfestigen, andererseits aber auch deren Zerstörung (ebenfalls Pluto) anzustreben. Zu hoffen bleibt, dass legitime und humane Methoden dafür verwendet werden.
Lassen Sie uns den Fokus noch mehr auf die Chancen richten. Wie oben bereits gesagt: der Kosmos verfolgt keine bösen Absichten. Eine Chance ist, dass wir die Magie (Pluto) der Langsamkeit (Steinbock) wiederentdecken können. Viele Menschen sind erschöpft von der gewaltsamen Dynamik, die seit Mitte der 90er Jahre über uns hereingebrochen ist, als Pluto durch das temporeiche Feuerzeichen Schütze lief. Dass in der Ruhe (Steinbock) auch Kraft (Pluto) liegt und an Altbewährtem (Steinbock) auch festgehalten werden (Pluto) darf, könnte eine Erkenntnis der nächsten Jahre werden. Solange Festhalten eben nicht mit Dogmatismus (Pluto) verwechselt wird. Wenn es uns gelingt, Macht (Pluto) mit Weisheit (Steinbock) zu verbinden, haben wir diesen Planetenkonstellation ebenfalls hervorragend genutzt.
Im neuen Jahr kriegen wir insgesamt einen Vorgeschmack auf all die hier angesprochenen Themen. Richtig heiß hergehen wird es dann aber erst ab 2009. Denn in 2008 wird sich Pluto auch noch einmal in das Zeichen Schütze zurückziehen, um sich dort sozusagen zu verabschieden. Ab dem 27. November 2008 ist er dann bis 2024 ununterbrochen im Steinbock.
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