Interview mit Holger A. L. Faß

Interview mit Holger A. L. Faß, 27.11.2006

Holger Alfred Ludwig Faß
astro-privat: Herr Holger Alfred Ludwig Faß: seit wann befassen Sie sich mit dem Thema Astrologie?
Holger A. L. Faß: Seit meinem 16. Lebensjahr. Ich war damals noch Schüler und habe selbst einen Astrologen aufgesucht, um mehr über mich zu erfahren. Dieser Astrologe hat dann nicht nur mein Horoskop gedeutet, sondern mir obendrein Lehrbücher mitgegeben – wahrscheinlich wusste er, dass sie bei mir gut aufgehoben sind. Ich habe sie noch heute! (lacht)

astro-privat: Wann haben Sie gespürt, dass Sie eine Gabe für dieses Thema haben?
Holger A. L. Faß: Ich kann das schwer erklären, aber für mich war es schon immer "normal", dass es Astrologie gibt und dass sie wirksam ist. Es ist eher so, dass ich mich gewundert hatte, dass Astrologie so einen geringen Stellenwert hatte. Das hat sich zum Glück ja seither verändert. Schon als kleiner Junge war Astrologie also etwas Selbstverständliches für mich, wenngleich ich damals natürlich kaum Ahnung von dieser komplexen Materie hatte. Sobald ich etwas über Astrologie las, verstand ich es auf Anhieb. Der Umgang mit den Horoskopsymbolen ist mir nie schwer gefallen. Richtig gelernt habe ich sie dann über einen sehr sehr langen Zeitraum, eben von meinem 16. Lebensjahr an. Zwanzig Jahre habe ich nur für mich studiert, bevor ich überhaupt ein erstes mal das Horoskop eines Bekannten gedeutet habe.

astro-privat: Sie sagen, Sie haben so lange gelernt. Ist denn jeder Mensch in der Lage astrologisch zu beraten? Kann das jeder lernen?
Holger A. L. Faß: Ja und nein. Natürlich kann jeder die Techniken lernen. Das hängt dann wiederum vom eigenen Fleiß ab und so weiter. Darüber hinaus braucht man aber eine gute Intuition und ein Bilderverständnis. Wir arbeiten in der Astrologie ja mit Symbolen. Symbole lassen sich nicht immer eindimensional übersetzen. Eine gute Schulung ist daher, sich mit Kunst, in der ebenfalls mit Symbolen gearbeitet wird, zu beschäftigen. Ich habe früher oft tagelang in Musen zugebracht, liebe die Oper, also auch andere Symbolsprachen. Um dann als astrologischer Berater tätig zu sein braucht man zudem Kenntnisse der Psychologie und der Gesprächsführung. Das Deuten alleine nutzt dem Klienten nicht viel, wenn man beispielsweise nur Fachchinesisch spricht.

Armillarsphäre. Im Hintergrund: Holger Faß
astro-privat: Woran erkenne ich denn sonst noch einen guten Astrologen?
Holger A. L. Faß: Da gibt es viele Faktoren: ein guter und seriöser Astrologe nimmt Ihnen beispielsweise keine Entscheidungen ab. Er bewertet weder Ihr Verhalten noch Ihren Lebensstil. Er ist schließlich kein Richter, sondern ein "Übersetzer" – er übersetzt die kosmischen Symbole. Außerdem sollten Sie ihn bereits beim Erstkontakt fragen, wo er gelernt hat und was seine Spezialgebiete sind. Diejenigen Kollegen beispielsweise, die vom Deutschen Astrologenverband (DAV) geprüft sind, haben ihre Qualifikation in einer bundeseinheitlichen Verbands-Prüfung unter Beweis gestellt und dafür den geschützten Titel "geprüfter Astrologe DAV" erhalten. Vielleicht sogar bei mir; denn ich bin Vorsitzender dieser Prüfungskommission (lacht). Neben der Fachlichkeit spielt aber auch immer Sympathie eine Rolle. Wenn Sie einen Star-Astrologen nicht "riechen" können, dann ist er trotz seiner Berühmtheit nicht der richtige für Sie.

astro-privat: Wem kann Astrologie Nutzen und hilfreich sein?
Holger A. L. Faß: Im Grunde genommen jedem. Es gibt keinen Lebensbereich, den man nicht mit Hilfe der Astrologie begutachten kann.

astro-privat: Was für Menschen kommen denn zu Ihnen?
Holger A. L. Faß: Frauen und Männer aller Altersschichten und quer durch alle Berufe. Tatsächlich hatte ich in meinen Beratungen bereits Ministerialmitarbeiter des Bundes, also Politiker, aber auch Prostituierte. Im Grunde melden sich Menschen bei mir, die mehr aus ihrem Leben machen wollen. Die mehr von sich verstehen möchten. Oder auch, die vor Entscheidungen stehen.

astro-privat: Welches sind die meisten Fragen die Sie den Menschen beantworten müssen?
Holger A. L. Faß: Erst einmal möchte ich betonen, dass alles, was ich mit Klienten bespreche, streng vertraulich ist. Niemand Drittes erfährt davon. Denn es sind oft sehr persönliche Themen, mit denen sich die Menschen an mich wenden. Beziehungsprobleme etwa, aber auch Fragen zum eigenen Lebenssinn. Einen großen Schwerpunkt meiner Arbeit macht die Berufsberatung aus. Da geht es zum einen darum, welche beruflichen Potenziale man hat, die man übrigens auch in fortgeschrittenem Alter noch aktivieren kann. Oder auch um konkrete Karrierefragen. Was muss ich tun, um weiter zu kommen? Welche Arbeitsbedingungen tun mir gut und wie kann ich darauf einwirken? Selbständige und Freiberufler wollen oft wissen, welche Investitionen richtig sind oder wie sie sich auf dem Markt besser positionieren können. Seit einigen Jahren biete ich auch Astro-Landkarten an und auch dafür kommen immer mehr Menschen. Sie wollen dann wissen, an welchem Ort sie sich niederlassen können.

Bei einer astrologischen Beratung
astro-privat: Kommen die Menschen einmal zu Ihnen oder nutzen sie Sie eher als lebensbegleitenden Ratgeber für lange Zeit?
Holger A. L. Faß: Es gibt das eine wie das andere. Mir persönlich liegt daran, die Beratungsdauer eher kurz zu halten. Denn es ist niemandem gedient, wenn er wegen jeder Frage gleich zu einem Astrologen rennen muss. Wichtig ist, dass die Menschen Zugang zu ihren eigenen Ressourcen erhalten. Für viele reicht daher eine einmalige Impulsberatung aus. Wenn größere Veränderungen anstehen, kann es sinnvoll sein, in größeren Abständen weitere Sitzungen anzusteuern. Vielleicht nach einem, zwei Monaten oder noch länger, um zu schauen, was sich verändert hat. Und dann gibt es eine Gruppe von Menschen, die regelmäßig ein mal jährlich zu mir kommen, um eine Art Standortanalyse zu machen: wo stehe ich? Was habe ich erreicht? Wo soll es hingehen? Dafür eignet sich die Zeit rund um den eigenen Geburtstag. Das mache ich übrigens auch selbst.

astro-privat: Mit dem eigenen Horoskop?
Holger A. L. Faß: Nein – ich gehe dann zu einem Kollegen. Denn in Bezug auf das eigene Horoskop bin ich letztlich doch betriebsblind. Man braucht schon etwas Abstand.

astro-privat: In wie weit kann man sich auf die Astrologie verlassen? Oder soll der Mensch nicht nur nach Ihren Vorhersagungen leben?
Holger A. L. Faß: Um Gottes Willen! Nur nach Vorhersagen zu leben wäre ja ein Weg in die Unfreiheit. Nein: Astrologie ist ja gerade das Gegenteil: ein Weg in die Freiheit. Denn das Horoskop zeigt die Chancen und Möglichkeiten auf, zeigt Warnungen und Risiken. Wie ein Mensch mit diesen Dingen umgeht, liegt in seiner eigenen freien Entscheidung. Ich vergleiche das Horoskop gerne mit einer Schatzkarte: sie zeigt, wo Schätze verborgen liegen. Auch, wo es riskante Wege gibt und so weiter. Ob man die Schätze birgt, ob man nun von Norden den kurzen Weg durch den Sumpf oder von Süden den langen Weg durch die Steppe dahin wählt, um mal bildlich zu sprechen, das entscheidet jeder für sich. Oder auch, ob man nicht lieber sich faul in die Sonne legt und den Schatz Schatz sein lässt. Auch das ist möglich. (lacht)

astro-privat: Dann hat das Wort Schicksal nichts mit Astrologie zu tun?
Holger A. L. Faß: So, wie es im herkömmlichen Sinn oft gebraucht wird, also als unabänderliches Schicksal, sicherlich nicht. Doch gibt es natürlich Rahmenbedingungen, auf die wir kaum oder keinen Einfluss haben. So wird jemand beispielsweise als Frau geboren. Mit diesem Körper als Frau muss sie dann zureckt kommen. Das ist "Schicksal". In diesem Sinne gibt es auch in der Astrologie Eckdaten, die einen Rahmen aufzeigen, in dem man sich bewegt. Das erstaunliche nun ist: je bewusster wir leben, um so größer können wir selbst diesen Rahmen machen. Wir können einiges verändern. Nicht alles. Aber mehr, als sich die meisten Menschen zutrauen.

astro-privat: Welche Daten benötigen Sie für die Erstellung eines Horoskops?
Holger A. L. Faß: Tag, Monat, Jahr, Uhrzeit und Ort der Geburt. Für manche Fragestellungen sind weitere Daten hilfreich, zum Beispiel wenn es um ein Geschäft geht der Termin der Geschäftseröffnung oder bei einer Beziehungsfrage den Hochzeitstag und so weiter.

astro-privat: Warum ist die Geburtszeit des Menschen so wichtig für ein Horoskop?
Holger A. L. Faß: Die Geburtsuhrzeit macht jedes Horoskop einmalig. Es gibt keine zwei gleichen Horoskope auf der Welt. Selbst von den Menschen nicht, die am gleichen Tag geboren sind. Angenommen jemand wird in Deutschland an einem Tag zu einer bestimmten Zeit geboren und im selben Moment jemand in Australien, so gibt es bereits Unterschiede: das eine ist eine Taggeburt, das andere eine Nachtgeburt. Solche Details halten wir im Horoskop fest – und dafür benötigen wir die Uhrzeit. Alle vier Minuten wandert beispielsweise der Aszendent bereits einen Grad weiter auf dem Tierkreis. Ohne Geburtsuhrzeit können wir den Aszendenten daher gar nicht bestimmen. Und für die Persönlichkeit ist er sehr wichtig.

astro-privat: Vielen Dank für das nette Gespräch.
Holger A. L. Faß: Gerne!

Veröffentlicht in der Zeitschrift astro-privat, Ausgabe 01/2007.



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