In den Wind gesprochen
In den Wind gesprochen, 14.01.2008
Schnell musste es gehen, als der freie Journalist Pascal Fischer Mitte November letzten Jahres bei mir anrief. Auf meiner Internetseite habe er eine Seminarankündigung für morgen gesehen und da wolle er gerne dabei sein, den Kurs akustisch mitschneiden, Interviews mit mir und den Teilnehmern führen. Es gehe um einen Beitrag für das Wochenendjournal des Deutschlandfunks. Dort wolle man eine Sendung über Astrologie machen, gezielt und selbstverständlich seriös über die Astrologie, ganz besonders über die Berufsprüfung des Deutschen Astrologenverbandes berichten. Und da der besagte Kurs ja auf die Prüfung vorbereite, wolle er unbedingt ein paar O-Töne einsammeln.
Der Deutschlandfunk! Das macht Eindruck. Schließlich versteht sich diese Welle von Anbeginn ... als Informationssender, der seine Zuhörerinnen und Zuhörer sachlich informiert statt sie mit Zerstreuung ... bei Laune zu halten. Intendant Professor Ernst Elitz verspricht: Wir bieten nicht nur News, sondern Hintergrund aus Politik und Kultur (alle Zitate aus der
DLF-Selbstdarstellung). Schöne Worte, oder nur allgemeines Blabla?
Pascal Fischer jedenfalls sagte ich ein Interview in der Mittagspause des Seminars zu; ob er während des Kurses bleiben und Aufnahmen machen könnte, konnte ich ihm nicht garantieren. Denn das wollte ich nur gewähren, wenn von Seiten der Teilnehmenden kein Einspruch erfolgte.
Was war das überhaupt für ein Kurs? In diesem vierteiligen Seminar ging es um eine gezielte Vorbereitung auf die Astrologie-Berufsprüfung vor dem Deutschen Astrologenverband. Das Angebot richtete sich an Menschen, die sich noch einmal vor der Prüfung in einer gezielten Trainingseinheit "fit machen" wollten. So etwas wie ein Übungskurs vor einer wichtigen Prüfung. Deshalb hieß es auch deutlich in der Kursausschreibung: Die Teilnahme am Prüfungsvorbereitungskurs setzt eine abgeschlossene Astrologie-Ausbildung bzw. einen damit vergleichbaren Wissensstand voraus.
Schon am Telefon bezweifelte ich gegenüber Herrn Fischer, dass er da wohl nichts von dem, was wir im Seminar behandeln würden, verstände. Ebenso, wie man als Laie wohl nichts kapiert, wenn man einer Übungsgruppe von Medizinstudenten beiwohnt, die sich gerade auf ihr Examen vorbereiten. Herr Fischer winkte ab: ihm ginge es ja nur um ein bisschen "Atmo" (= Atmosphäre).
Astrologen und Astrologinnen, die im aufwendigen Prüfungsverfahren ihr Wissen und auch ihren verantwortungsvollen Umgang mit Klienten darlegen (siehe DAV-Prüfung), geloben, ihren Beruf
mit Gewissenhaftigkeit, Sachlichkeit und angemessener Zurückhaltung, Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit auszuüben – für freie Journalisten, die für den Deutschlandfunk tätig sind, gilt dergleichen wohl leider nicht.
Was am 5. Januar 2008 über den Äther ging war nämlich ein Schock! Eine knapp fünfzigminütige Sendung, unterbrochen von insgesamt zwölf Minuten belangloser Musikschnipsel, die den basalen Ansprüchen an journalistische Sorgfaltspflicht nicht annähernd genügte. "Sechs, setzen", möchte man dem Macher Herrn Fischer zurufen.
Im Detail:
Unsachliches
Macht man eine Sendung über Astrologie, so stellt sich die Frage, welchen Informationsgehalt Kleidung oder Aussehen von Interviewpartnern haben. So erwähnt der "Journalist" Fischer explizit das Outfit einer Astrologin mit den Worten Star-Qualitäten hat auch ihr dunkelroter Mantel, innen Pelz, außen schillernd. Über mein Erscheinungsbild heißt es wertend: Holger Faß, fliehende Stirn, Hemd, gelbe Krawatte mit blauen Punkten. Ein bisschen wie Planeten eben. (Eine Belanglosigkeit, dass es anders herum eine blaue Krawatte mit gelben Punkten war – wäre es nicht typisch für die Richtigkeit und Aufmerksamkeit, mit der der "Journalist" seiner Arbeit nachgegangen ist.) Welche Relevanz im Zusammenhang mit der Astrologie hat mein Schlips? Welche meine "fliehende Stirn"? Ein Schelm, wer dabei an Demagogik denkt. Um so mehr, da ausschließlich die Astrologinnen und Astrologen optisch (abwertend) beschrieben werden. Die Astrologie-Kritiker kommen unkommentiert zu Wort. Man erfährt nicht, dass der hier als Astrologie-Kritiker auftretende Jürgen Hamel "hängende Wangen" oder der astrologiekritische Rechtsanwalt Mark Schmidt vorstehende Zähne hat und auch die "fliehende Stirn" des Astrologie-Kritikers Michael Kunkel scheint keiner Erwähnung wert; dabei ist sie, wie bei mir, wahrlich
unübersehbar. Sollte Pascal Fischer mit zweierlei Maß gemessen haben?
Gleiches gilt für andere "Hinweise", die dem Radiohörer gegeben werden. Über den Seminarort heißt es beispielsweise ausführlich: An jenem Samstag führt der Weg auf ein altes Fabrikgelände, vorbei an Stapeln mit gehacktem Holz und alten Gartenmöbeln. ... Weiß getünchte Ziegelsteinwände, heller, abgenutzter Parkettboden. Irrelevant, wenn man der Frage nachgehen will, ob alles in den Sternen stünde (so der fragende Titel der Sendung). Welche Absicht könnte der "Journalist" verfolgt haben, der auf den abgenutzten Parkettboden hinweist, auf dem ein Seminarleiter mit einer fliehenden Stirn einen Kurs abhält? Sollte hier etwa der Astrologe und die Astrologie im allgemeinen in ein unerfreuliches Licht gesetzt werden? Mit solcherlei unlauteren Mitteln? Sollten dem "Journalisten" die Argumente ausgegangen sein? Wer es nicht glaubt, für den gibt es noch ein Zitat des Moderators: Den Vortrag hält geduldig lächelnd Holger Faß. Wenn Sie dies hören: wie stellen Sie sich die Zuhörerschaft nun vor? Vielleicht als eine Gruppe dummer oder gelangweilter Personen, denen man nur mit "geduldigem Lächeln" Herr wird. Sollten es die Zuhörer immer noch nicht begriffen haben, dass sie Astrologie gefälligst doof zu finden haben, wird Pascal Fischer noch deutlicher: die Teilnehmer halten sich mit Bionade wach behauptet er frech und falsch.
Astrologiekursbesucher werden ebenso wie Klienten astrologischer Beratungen diffamiert. Über diese heißt es in der Sendung: die meisten ... schämen sich am Ende für ihre Dummheit, eine Astrologin konsultiert zu haben. Eine Behauptung ohne jeglichen Nachweis. Nicht eine einzige Person, die eine astrologische Beratung für sich nutzte und sich nachher schämte, konnte der "Journalist" ausfindig machen. Im Gegenteil: eine befragte Beratungsklientin erzählt freimütig, dass sie mit einer astrologischen Beratung zufrieden war: Hier bekomme ich Informationen, von denen ich feststelle, dass die zutreffen.
Eine sachliche Berichterstattung?
Was ich hier in diesem Artikel schwer darstellen kann, ist die ironische Betonung, mit der Fischer seinen Moderationstext liest. Sorry, wenn ich dass so deutlich sagen muss: dieser Tonfall ist wirklich widerlich. Beispielsweise ein nasales, mit lang gezogenem "ö" gesprochenes "seriöööös" im Zusammenhang mit dem Wort "Astrologie" lässt im Unterton nur einen Schluss zu: seriöse Astrologie sei an sich schon absurd. Der Ton macht die Musik. Und Herr Fischer ist sich nicht zu schade, ganz tief in die Demagogenkiste zu greifen. Schäbig. Sehr schäbig.
Anspielungen
Unsachlich sind auch die zahlreichen Anspielungen. Bei der Vorstellung einer Astrologin heißt es beispielsweise: Die Erfahrungen als Schauspielerin und Theaterproduzentin haben sicherlich auch nicht geschadet. Dem Zuhörer bleibt es überlassen, selbst zu phantasieren, wozu diese Erfahrungen "nicht geschadet" haben. Ob sie wohl genutzt haben? Und auch hier: wofür? Will Herr Fischer etwa unterstellen, als Astrologin bräuchte man schauspielerisches Talent? Welchen anderen Grund könnte solch eine merkwürdige Anspielung sonst haben? Natürlich hat er nicht wortwörtlich gesagt, dass Astrologen eben eine Schau spielen, aber die Assoziation dazu liegt nach seiner Formulierung auf der Hand.
Schlampige Recherche
Journalismus in Deutschland ist ein Trauerspiel. Selbst Deutschlandradio-Intendant Ernst Elitz beklagt dies: Ein ganzes Fach lebt an seiner Bedeutung vorbei schrieb er am 7.2.1997 in der ZEIT. Reporter sehen offensichtlich ihre Aufgabe darin, Vorgekautes wiederzugeben. Pressemeldungen werden oft kaum umgeschrieben sondern wortgleich abgetippt, jeder Pfurz einer angeblich bedeutsamen Person als Meldung in die Welt getragen, Falschaussagen werden wieder und wieder zitiert, manche beherrschen nicht einmal die Grundregeln deutscher Rechtschreibung (so war laut der Online-Redaktion von web.de vor zwei Tagen im hessischen Wahlkampf die SPD der CDU auf den "Versen"). Die Schlamperei im deutschsprachigen Journalismus rührt vermutlich auch daher, weil Recherche nur noch mittels Google durchgeführt wird – und oft selbst nicht mal das. Was man von Privatsendern gewohnt ist, hofft man nicht auch beim Deutschlandfunk zu finden. Weit gefehlt.
So wird der " Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.", kurz GWUP, gleich zwei mal während der Sendung die Gelegenheit zur Darstellung gegeben. Sowohl Michael Kunkel als auch Mark Schmidt vertreten diese Organisation. "Journalist" Fischer hätte gut daran getan, seine Interviewpartner zu hinterfragen. Dann wäre ihm aufgegangen, dass er hier einer Gruppierung ein Podium bot, die sich selbst harscher Kritik stellen müsste. Für Insider (ehemalige GWUP-Mitglieder) besteht beispielsweise
kein Zweifel daran, dass die GWUP im gegenwärtigen Stadium eher in Richtung einer Sekte als hin zu einer wissenschaftlichen Forschungsgesellschaft tendiert. Der von Kunkel betriebene "Wahrsagercheck" ist ebenfalls kein Ruhmesblatt. Solche "Untersuchungen" führte die GWUP schon früher durch; beispielsweise Ende 1998. Rudolf Henke, in den 90er Jahren der Leiter des Fachbereichs "UFOs" der GWUP, klärt auf, wie diese "Untersuchung" durchgeführt wurde:
Zum Jahreswechsel 1998/99 erklärte der GWUP-Vorstand in Presse- und Rundfunkmitteilungen, eine Studie zu astrologischen Prognosen erarbeitet zu haben, und betonte dabei, dass keine einzige Prognose zum Jahresende eingetroffen sei. In Wahrheit existierte eine derartige Studie überhaupt nicht! Ich warf dem GWUP-Vorstand daraufhin wissenschaftlich unredliches Verhalten vor, musste jedoch zu meinem Entsetzen feststellen, dass die Mehrheit der GWUP-Mitglieder, die sich zu meiner Kritik äußerten, voll hinter dem Vorgehen des Vorstandes standen. Und solche Leute werden in Fischers Beitrag als ernstzunehmende "Experten" präsentiert!
Noch Fragen?
Auch der Skeptiker und Astrologie-Kritiker Dr. Edgar Wunder der Universität Heidelberg berichtet zahlreiche Peinlichkeiten, von denen ich hier nur eine zitiere:
Anlässlich einer von der GWUP geplanten Tagung, zu der auf Anregung von Rudolf Henke und mir auch "Pro"-Vertreter (so ein in der GWUP üblicher terminus technicus, der übrigens schon impliziert, dass die GWUP immer "contra" ist) als Referenten eingeladen werden sollten, um einen sachlichen und konstruktiven Dialog zu führen, meinte mir gegenüber beispielsweise der Geschäftsführer der GWUP, Amardeo Sarma, man solle einen bestimmten Referenten lieber nicht einladen, da die von ihm präsentierte Studie (die Sarma zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt war!) möglicherweise so gut und so fehlerfrei erscheinen könnte, dass den "Skeptikern" der GWUP keine Argumente mehr dagegen einfallen könnten. Bei einem kleinen, unwissenden, sich nicht informierenden "Journalisten" haben die GWUPler so etwas natürlich nicht zu fürchten...
Insgesamt kommt Dr. Edgar Wunder zu dem Schluss, dass die GWUP eine Diffamierungskampagne betreibt:
...so gewinnt die Angelegenheit noch eine andere, wesentlich üblere Dimension, wenn weltanschauliche Gegner der Astrologie eigene Presseerklärungen herausgeben, um in offensichtlicher Diffamierungsabsicht und unter bewusster Ausblendung der genannten Punkte Stimmung gegen alles zu machen, was nicht in ihr ideologisch verengtes Weltbild passt. Ein abschreckendes Beispiel dafür ist etwa eine Presseerklärung der Weltanschauungsgemeinschaft der sog. „Skeptiker“ / GWUP vom 17.12.2002. ... Am Ende Ihrer Presseerklärung warnt die GWUP schließlich noch in Bezug auf die von ihnen pauschal diffamierten Wahrsager, Hellseher und Astrologen vor "übelster Scharlatanerie". Kritisches Denken ist immer gut, es sollte nur nicht einseitig in eine bestimmte Richtung gehen. In diesem Fall zumindest führt eine nüchterne Analyse der Presserklärung der GWUP zu dem Ergebnis: Die wahren Scharlatane sind die "Skeptiker" selbst.
Über Herrn Fischers Kollegen fügt Dr. Wunder übrigens hinzu: Schon bald musste ich jedoch erkennen, dass die Rezeption dieser "Prognosenprüfungen" durch die Medien einen problematischen Verlauf annahm. Allzuoft wurden Zusammenstellungen von "Fehlprognosen" in sensationsheischender Manier dazu missbraucht, in undifferenzierter Weise Hohn und Spott über alles auszugießen, was irgendwie mit Astrologie oder "Hellsehen" zusammen hing. Ohne Beachtung des Kontextes wurde der Aussagegehalt jener Daten maßlos überinterpretiert oder die Angelegenheit zum Anlass genommen, um empirisch unzutreffende Stereotype über Astrologen zu verbreiten. ... Zu groß ist die Versuchung, auf die Schadenfreude der Leser zu spekulieren und eine unterhaltsame Geschichte auf dem Rücken "der" Astrologen zu konstruieren, die nicht zuletzt auch vom Bedienen diverser gängiger Stereotype lebt. Dabei werden nicht in dieses Konzept passende Informationen tendenziell ignoriert und ausgeblendet, teilweise wurden sogar falsche Zitate und Zahlen frei erfunden, um Kompatibilität mit dieser stereotypisierten Erzählung herzustellen.
Ob es eine schlampige Recherche war oder bewusste Verdrehung der Fakten kann ich nicht sagen. Sicher ist, dass der "Journalist" Fischer durch geschickte Wortwahl den Eindruck erweckt, Astrologie sei nebenbei erlernbar. Wie Sie oben erfahren haben, besuchte er kurz eine Art Repetitorium, also ein Seminar zur Wiederholung von Wissen und Kenntnissen, um eine Prüfung zu bestehen – keine Astrologie-Ausbildung. Seinen Besuch in diesem Kurs kündigt er in der Sendung wie folgt an: Fast überall in Deutschland kann man neben dem Job eine Berufsausbildung zum Astrologen absolvieren; so auch in Köln. An jenem Samstag im Dezember führt der Weg auf ein altes Fabrikgelände, vorbei an Stapeln mit gehacktem Holz und alten Gartenmöbeln. Der Crash-Kurs findet im Sozialistischen Selbsthilfezentrum statt. Hört sich so an, als sei es ein "Crash-Kurs in Astrologie", eine "Astrologie-Ausbildung an zwei Tagen"; nichts Ernstzunehmendes also.
De facto handelte es sich bei jenem Kurs, wie schon erläutert, nicht um einen Teil der Astrologie-Ausbildung.
Diese bieten wir ebenfalls in Köln an. Eine Astrologie-Grundausbildung dauert drei Jahre. Aber es klingt halt doch abwertender, wenn man diese Details mal eben ausblendet. Zufall, oder Absicht?
Astrologie-Kritik
Wenden wir uns abschließend den inhaltlichen Vorwürfen zu. Zweifelsohne gibt es Punkte, die man an der Theorie der Astrologie hinterfragen kann. Zweifelsohne gibt es auch berechtigte Kritik an der deutschsprachigen Astrologie-Landschaft. Ich fürchte, es gibt auch Betrüger, die sich Astrologe nennen. Wahrscheinlich nicht so viele wie in Politik und Wirtschaft, aber natürlich ist jeder Betrüger einer zu viel. Sachliche Astrologie-Kritik wurde vom Deutschlandfunk jedoch nicht vorgebracht. Die hier in der Sendung stereotyp nachgeplapperten "Argumente" gegen die Astrologie sind nicht nur zum Teil seit über 2000 Jahren widerlegt (!), sondern gehen obendrein fast immer an der Sache meilenweit vorbei. Fast so, als ob man einem Apfel vorwürfe, dass er nicht nach Kirsche schmeckt.
Das Geldargument
Neun mal schafft es "Journalist" Pascal Fischer darauf hinzuweisen, dass Astrologie offenbar eine Geldmaschine sei (hier jeweils die Sendeminuten, in denen er das tut: 2:01, 3:19, 3:53, 4:32, 6:17, 7:02, 7:18, 8:33, 8:42). Der Umsatz in Millionenhöhe der Firma Questico wird dabei ebenso erwähnt wie nicht weiter genannte Kunden, die angeblich Tausende von Euro bei Astrologinnen gelassen hätten. Ein Nachweis der Richtigkeit dieser Aussagen fehlt natürlich.
Tun wir einen Moment so, es sei tatsächlich so, dass man mit Astrologie viel Geld verdienen könne. Warum sollte das gegen die Astrologie sprechen? Mit Telekommunikation kann man beispielsweise viel Geld verdienen oder auch mit Reiseangeboten. Sind Telekommunikation oder Fernreisen deswegen per se verdammenswert? Wir leben in einer geldbeherrschten Kultur und es gibt viele Gründe, dies zu beklagen und zu kritisieren. Doch Astrologen vorzuhalten, sie würden für ihre Dienstleistung ein Salär in Anspruch nehmen, ist in diesem Kontext schlichtweg belanglos. Oder will "Journalist" Fischer Neid bei Zuhörern schüren: den Astrologen werfe man Hunderttausende in den Rachen für nichts als Schauspielerei...? Billige Propaganda kann doch nicht Sinn des Deutschlandfunks sein, oder?
Was kostet eigentlich eine astrologische Beratung?
Die Preise sind unterschiedlich. Sicherlich zahlen Sie jedoch deutlich weniger als bei einem Rechtsanwalt, einem Coach oder einem Organisationsberater, um nur mal ein paar andere Beratungsberufe zu nennen. Für eine einstündige Sitzung bei einem ausgebildeten, erfahrenen Astrologen kann man mit einer Honorarforderung von ca. 80 bis 120 Euro rechnen. Bei mir zahlen Sie aktuell beispielsweise 95,- Euro dafür (siehe Honorarliste). Es steht jedem frei, eine astrologische Beratung für 95 Euro als "zu teuer" zu apostrophieren. Das ist wohl Geschmackssache. Ich persönlich halte das nicht für "zu teuer" – ein Oberhemd zum gleichen Preis hingegen schon. Andere würden wohl eher für das Oberhemd 95 Euro auf den Tisch legen. Ob eine Sache teuer ist oder nicht, hängt jeweils davon ab, welchen Wert ich ihr zumesse. Selbst Astrologiekritiker Dr. Edgar Wunder kommt zu dem Ergebnis,
dass mit Astrologie in Deutschland in aller Regel kein "leichtes Geld" zu verdienen ist. Schade eigentlich. Naja: ich finde es okay, für mein Geld zu arbeiten ;-))
Es ist eine ehrliche Arbeit. Meine Tätigkeit zielt nicht darauf, Waffen herzustellen oder zu verbreiten, Tiere zu quälen, Folter und Ungerechtigkeit zu ermöglichen oder Ökosysteme zu zerstören, und es fallen auch keine Umweltgifte an. Ich überfalle niemanden mit lästigen Werbetelefonanrufen und dränge mich nicht durch Radio-, TV- oder Zeitschriftenwerbung auf. Für eine einstündige Lebensberatung, die mich zusätzlich ca. eine Stunde Vorbereitung und ca. 15 Minuten Nachbereitung kostet, halte ich alles in allem 95,- Euro durchaus für angemessen. Oder ist das Stellen einer Rechnung in meiner Branche bereits ein Verbrechen?
Die Präzession
O-Ton aus der besagten Sendung: So vieles spräche gegen die Astrologie, erklärt Jürgen Hamel. Beispielsweise dass man die Tierkreiszeichen wie vor 2000 Jahren über die Monate verteilt. Herr Fischer: ich kann (wie in der Sendung gesagt) nur noch mal betonen, dass Sie die DAV-Prüfung nicht bestehen würden. Das ist derart schräg formuliert, dass Sie damit vor allem eines beweisen: Unkenntnis. Doch weiter im Text: Leider aber eiert die Erde im Weltall und dadurch haben sich die Sternbilder in zwei Jahrtausenden verschoben. Nein, nicht die Sternbilder haben sich verschoben. Die zwei Tierkreise, der siderische und der tropische haben sich in ihrem Verhältnis zueinander verschoben. Haben Sie bei Ihren "Recherchen" überhaupt mitgekriegt, dass es zwei Tierkreise gibt? Weiter im Text: Will heißen, wer heute Zwilling ist, ist eigentlich Stier. Was heißt "eigentlich"?
Nun folgt ein Statement von Jürgen Hamel: Das ist ja der Trick. Sie sind noch das Tierkreiszeichen, aber wenn Sie jetzt Ihre Sterne suchen, dann müssen Sie genau den 30-Grad-Bereich daneben gucken. Also Sternbild Zwillinge sind nicht mehr das Tierkreiszeichen. Was heißt "nicht mehr"? Worüber hier schwadroniert wird, ist unter dem Phänomen der Präzession bekannt. Diese wurde bereits um 150 v. Chr. von Hipparch beschrieben. Richtig ist, dass die Erde eine Kreiselbewegung macht und daher der siderische Tierkreis, das sind die sich aus Fixsternen zusammensetzenden, am Himmel sichtbaren Sternbilder, sich im Verhältnis zum tropischen Tierkreis, das ist die gedachte Bahn resultierend aus der Erddrehung um die Sonne, zueinander verschieben. Es ist so, wie wenn ich auf der Autobahn neben einem anderen Wagen fahre. Fährt das Auto auf der anderen Spur gleich schnell, so bleiben wir auf gleicher Höhe. Ist eines etwas schneller, verändern wir unsere Position zueinander. Muss ich deswegen an den Angaben am Armaturenbrett meines Autos zweifeln? Nein! Denn Tacho und Tankanzeige sind nicht an den anderen Wagen gekoppelt. Es ist irrelevant, wie schnell ein anderes Auto neben mir fährt, wenn ich die Benzinanzeige meines Wagens betrachte. Ebenso irrelevant ist der siderische Tierkreis, da die westlichen Astrologen mit dem tropischen Tierkreis arbeiten. Nicht nur die Astrologen übrigens. Auch die Astronomen. Die NASA gibt eigens Sternstandtabellen (Ephemeriden) heraus, in der alle Planetenpositionen in Bezug auf den tropischen Tierkreis angegeben sind. Er hat gegenüber dem siderischen Tierkreis eben als Berechungsgrundlage wesentliche Vorteile. Dieses "Argument" zeugt nur von Einem: von abgrundtiefer Unkenntnis der Materie!
Gravitation
Aber nun glauben viele Menschen, die Gravitation könnte eine Erklärung sein behauptet Herr Fischer, und stellt damit eine These auf, die mir neu ist. Ich jedenfalls kenne nicht "viele Menschen" die derartiges glauben. Astronom Hamel ergänzt korrekt, dass die Gravitationseinflüsse aufgrund der Entfernungen der Planeten und der geringen Massen praktisch ohne Bedeutung sind. Völlig richtig. Ein Apfel schmeckt eben nicht nach Kirsche. Gravitation hat mit Astrologie nichts zu tun. Kein Astrologe geht davon aus, dass Gravitation ein Erklärungsmodell für die Astrologie sei. Wirft man der Medizin vor, dass es Leute gibt, die nicht Lesen und Schreiben können? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Was soll Gravitation mit Astrologie zu tun haben? Was wird in dieser Sendung eigentlich für ein Unsinn geredet?
Wer ein physikalisches Erklärungsmodell wünscht, sollte sich Dr. Percy Seymours Buch "Astrologie. Beweise der Wissenschaft" zu Gemüte führen (Vorsicht: keine Bettlektüre. Mitdenken erforderlich!). Der britische Astronom entwickelt darin ein mögliches Erklärungsmodell, das, wie andere Modelle in der Physik eben auch, Diskussionsgrundlage sein kann. Wenn man es denn gelesen hätte... Dass die Gravitationskräfte von Venus, Mars oder Uranus Einfluss auf einen einzelnen Menschen hätten, behaupten schlimmstenfalls XXXXXX *Schimpfwort / zensiert*; oder "Journalisten".
Wenn wir nach Zusammenhängen zwischen "oben" und "unten" suchen, dann kommen wir in den Bereich der akausalen Beziehungen. In einer Zeit, in der die Physik Akausalität nicht mehr leugnet, wird es schwierig für Personen, die ein Kausalitätsdogma aufrecht erhalten wollen. Über Sinn und Zweck akausaler Zusammenhänge können wir diskutieren. Kausalkritik, wie beispielsweise vom Physiker Wolfgang Pauli oder vom Physiker und Wissenschaftstheoretiker Ernst Mach formuliert, ist dann in der Diskussion ebenso mit zu berücksichtigen, wie die Modelle und Erkenntnisse der Quantenforschung. Das wäre mal für ein anspruchsvolles Radioprogramm ein anregender Ansatz. Aber doch nicht die von keinem Astrologen aufgebrachte Gravitationstheorie. Wenn Sie kritisieren, Herr Fischer, dann doch das, was die Zunft, die Sie kritisieren wollen, als Argumente vorbringt. Warum beispielsweise haben Sie sich mit mir nicht über diese Punkte unterhalten? Warum haben Sie mir vorgegaukelt, es ginge um die Berufsprüfung? Ich hätte Ihnen durchaus einiges zur Theorie der Astrologie erklären können; Ihre vorurteilsfreie Neugier und die Fähigkeit zum eigenen Mitdenken vorausgesetzt.
Künstlichkeit
Es wird in der Sendung darauf hingewiesen, dass Astrologie ein "künstliches System" sei. Das ist ein interessanter Punkt. Ist Astrologie künstlich? Darüber kann man streiten. Gehen wir doch einfach mal spaßeshalber davon aus, dass dieser Kritikpunkt berechtigt sei. Sagen wir: ja, Astrologie sei ein künstliches System. Was folgte daraus? Dass man sie nicht mehr anwenden sollte?
Wir nutzen (durchaus mit Erfolg) unzählbare künstliche Systeme. Die Einteilung der Erde in Breiten- und Längengerade ist nun wirklich nichts naturhaftes, sondern ein künstliches System. Es hilft uns, auf der Erde die Orientierung zu behalten. Wir können damit exakte geographische Angaben machen und Ihr Navi kann Ihnen sagen, ob Sie an der nächsten Ampel links abbiegen müssen oder nicht. Die Frage, ob etwas künstlich ist oder nicht, ist nicht relevant, wenn es um eine Bewertung geht – entscheidend ist die Nützlichkeit. Die richtige Frage müsste demnach gelautet haben: "Ist Astrologie nützlich?". Wenn sie nützlich ist (und ich behaupte, sie ist es), dann ist es sogar egal, ob sie künstlich ist. Die Physik arbeitet mit zahlreichen Modellen, die allesamt künstlich sind – aber sie sind nützlich und werden daher weiter verwendet. Von welchem Arzt würden Sie sich eher behandeln lassen: von einem, der seiner Arbeit ein "künstliches System" zugrunde legt und hohe Heilquoten hat, oder von einem, der sich auf solch ein "künstliches System" nicht einlassen will und eine niedrige Heilquote aufweist? Gibt es nicht, meinen Sie? Falsch. Ignaz Semmelweis senkte im 19. Jahrhundert die Sterblichkeitsrate durch Kindbettfieber in der Klinik für Geburtshilfe in Wien drastisch dadurch, dass er eine unlogische Handlung einführte: er trug den Medizinern auf, sich immer dann, wenn sie eine Entbindung vornähmen oder die werdenden Mütter untersuchten, vorher die Hände zu waschen. Schwachsinnig, meinten andere, denn Bakterien waren seinerzeit nicht bekannt. Es gab also ein künstliches, nicht erklärbares System: Hände waschen verringert Infektionen. Unbewiesen. Aber erfolgreich und somit nützlich.
Wenn etwas nützlich ist, wenn etwas brauchbar ist, dann ist es gut, es zu haben. Astrologie wäre im Laufe der Zeiten längst ausgestorben, wäre sie nicht brauchbar und nützlich für die Menschen.
Allgemeine Floskeln
Fast sechs Minuten wird ein Interview mit Katja Furthmann gesendet, die als Sprachwissenschaftlerin ca. 3000 Horoskoptexte aus Zeitungen und Zeitschriften auf die Semantik hin untersuchte. Dabei stellte sie fest, dass die oft nur wenige Zeilen langen Textchen allgemein gehalten sind. "Journalist" Fischer fasst ihr Fazit zusammen: Äußerst trickreich wenden sich die Horoskope an ein Massenpublikum. (Bitte mitdenken: wenn "Journalist" Fischer hier von "Horoskopen" spricht, meint er nicht etwa "Horoskope", sondern jene Zeitschriftentextchen – was ein Horoskop ist, kann man
hier nachlesen). Aha: diese Texte wenden sich an ein Massenpublikum. Welch bahnbrechende Erkenntnis: Texte in einem Massenmedium wenden sich an ein Massenpublikum. Ich finde, Frau Furthmann hat einen Forschungspreis verdient! Super. Ich bin beeindruckt!
Scherz beiseite: Man muss sich nicht lange mit Astrologie beschäftigt haben, um zu verstehen, dass jene Massentexte mit Astrologie so viel zu tun haben wie ein Pornofilm mit Sexualwissenschaft. Frau Furthmann ist kein Vorwurf zu machen. Sie hat am Beispiel jener Texte massentaugliche Kommunikationsmuster dargestellt. Sie selbst scheint zu wissen, dass dies mit ernstzunehmender Astrologie nichts zu tun hat, benennt sie jene Textchen doch als "Vulgärastrologie" (in Abgrenzung zu seriöser Astrologie). Fischer blendet solch einen Hinweis aus, so dass der Eindruck entsteht, Frau Furthmann nähme keine solche Unterscheidung vor. Selbst die als esoterikfeindlich bekannte Tageszeitung
TAZ weist darauf hin. Ebenfalls keine Freunde der Astrologie: die Macher der Wochenzeitschrift
DER SPIEGEL. Auch da ist man fair genug, Sachlichkeit an den Tag zu legen und zitiert Frau Furthmann, dass sie wisse, dass ein Großteil der Pressehoroskope ... durch Medienagenturen oder aber sogar durch "Sekretärinnen nach Dienstschluss" verfasst würden. Kann man das der Astrologie ankreiden?
Statt auf solcherlei hinzuweisen – was tut der Fischer Pascal? Er bittet Frau Furthmann, einen Horoskoptext zu erfinden. Es wird immer abstruser. Soll das etwa ein Argument gegen die Astrologie sein? Ich fasse mir an den Kopf! Mehr als ein Zehntel der Sendezeit nur dafür!
Übrigens bedient sich "Journalist" Pascal Fischer selbst der sprachlichen Wendungen, die er hier kritisierend vorführt. So wird beispielsweise dargelegt, dass massenkompatible Textchen relative Ausdrücke verwenden: Relative Ausdrücke sind zum Beispiel Adjektive oder Adverbien wie groß und klein, viel und wenig, schnell und langsam, leicht und schwer. "Viel wird sich nun ändern" sagt das Horoskop einer Frauenzeitschrift beispielsweise, doch wie viel ist denn viel? beschreibt Frau Furthmann dieses Prinzip. Herr Fischer kennt diese Vorgehensweise anscheinend und nutzt sie für sich selbst. Dazu nur ein Exempel: An anderer Stelle der Sendung fragt er den Geschäftsführer einer Firma, die Telefonvermittlung zwischen Ratsuchenden und Esoterikern herstellt: Wie sieht es aus wenn ich ein ganz ernsthaftes Problem habe: sollte ich mich bei Ihnen beraten lassen? und unterstellt, dass für "ganz ernsthafte Probleme" die Astrologie nicht tauglich sei. Doch wann ist ein Problem "ganz ernsthaft"? Jede Antwort, die der Geschäftsführer darauf gibt, kann aufgrund der relativen Fragestellung leicht im schlechtesten Sinne zerpflückt werden. Stellt ein "Journalist" relative Fragen, hat er selbst den Wind verursacht, in den er dann hineinsprechen kann.
Statistik
Aber schließlich versuchen ja gerade auch Astrologen ihre Lehre naturwissenschaftlich zu untermauern; und sind bislang immer gescheitert. Keine Statistik beweist, dass Horoskop und Charakter irgendwie zusammenhänge, glaubt "Journalist" Fischer zu wissen. Nebenbei: Statistik ist kein Teil der Naturwissenschaften. Statistik ist eine Methode, die auch in geisteswissenschaftlichen Disziplinen angewendet wird. Aber lassen wir das, konzentrieren wir uns auf die Kernaussage: kein statistischer Beweis für die Astrologie.
Stimmt das?
Um das so zu sagen müsste man alle statistischen Untersuchungen kennen, die zu diesem Gegenstand je durchgeführt wurden. Obwohl ich mich nunmehr seit knapp 30 Jahren mit Astrologie beschäftige, traue ich mir eine solche Kenntnis nicht zu. Ich weiß, dass auch zahlreiche wohlmeinende statistische Erhebungen den gewünschten "Astrologiebeweis" nicht liefern konnten und weiß zudem, dass solche Untersuchungen, die das scheinbar schaffen, in viel zu vielen Punkten kritikwürdig sind, als dass ich sie zitieren wollte. Pascal Fischer weiß noch mehr, er kennt ja scheinbar alle derartigen Untersuchungen. Okay. Ich vertraue seiner Kenntnis und gehe davon aus, dass es stimmt was er sagt. Hat er der Astrologie damit den Todesstoß versetzt?
Mitnichten.
Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich krank und fiebrig; innerlich ist Ihnen heiß und kalt zugleich, der Kopf fühlt sich schummerig an und so weiter. Nun wollen Sie Ihre Körpertemperatur messen. Welches Instrument benutzen Sie dafür? Ein Barometer (Luftdruckmessgerät) oder ein Thermometer (Temperaturmessgerät)? Sie sagen zurecht, dass dies eine blöde Frage ist. Denn natürlich kann ich die Körpertemperatur korrekt nur mit dem Thermometer messen. Nun stellen Sie sich aber mal kurz vor, Sie würden das Barometer benutzen und feststellen, dass es keinen nennenswerten Ausschlag zeigt – egal, ob Sie als fiebriger Mensch es eine Stunde in der Hand halten oder ob es ein gesunder Mensch eine Stunde in der Hand hält. Könnte das ein Argument sein, dass beweist, dass Sie offensichtlich gar kein Fieber haben? Wieder bezichtigen Sie mich zurecht des Blödsinns.
Astrologie mit den Methoden der Statistik "beweisen" zu wollen, ist letztlich nichts anderes, als Fieber mit einem Barometer zu messen: es funktioniert nicht. Selbst scharfe Astrologie-Kritiker sind inzwischen daher davon abgerückt, mit statistischen Methoden gegen die Astrologie vorzugehen – aber nur solche Kritiker, die sich auch mit der Materie vertraut gemacht haben. Schon am 1976 wies der Physiker C. F. von Weizsäcker während eines ARD-Fernsehauftritts darauf hin, dass an der Astrologie zwar etwas dran sei, dass man es aber mit Hilfe der Statistik nicht herausbekommen könne. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die sich aus dem System der Astrologie ergeben. Beispielsweise ist die Arbeit mit Symbolen stets vieldeutig. Mars ist ein Symbol für Durchsetzung, aber auch für Sport, Chirurgie, Vitalität, Lust und anderes. Statistik verlangt jedoch Eindeutigkeit in der Zuordnung. Ein Symbol, das bei einem Menschen so, bei einem anderen anders übersetzt werden muss, lässt sich statistisch nicht erfassen.
Die Astrologin und EDV-Systementwicklerin Csilla Hartmann wird in der hier von mir kritisierten Sendung mit einer wichtigen Aussage zitiert: Wenn man als Programmiererin arbeitet, geht es darum, eine Sprache, die die Maschine, der Computer kann, in eine menschliche Sprache zu übersetzen, bzw. umgekehrt. Und bei der Astrologie geht es darum, eine Symbolsprache in Deutsch oder eine "normale" Sprache zu übersetzen. Die Arbeit mit dem Horoskop ist also primär eine Übersetzungstätigkeit!
Stellen Sie sich vor, man wollte eine Sprache statistisch auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Das ist vom Ansatz her schon zum Scheitern verurteilt. Statistisch lässt sich bestenfalls erfassen, wie oft bestimmte Konsonanten auftauchen oder ob es einzelne syntaktische Häufungen gibt. Doch die Sprache selbst hat damit niemand erfasst.
Weiter ist ein Horoskop ein interdependierendes System. Zahlreiche Faktoren greifen ineinander. Verändere ich einen Faktor, verändere ich das Gesamtsystem. Daher legen seriöse Astrologen stets großen Wert darauf, keine Einzelaussagen über Einzelfaktoren zu deuten. Mars steht beispielsweise für Durchsetzungskraft. Doch nur dann rein und ungebrochen, wenn er im Widder steht. Befindet er sich im Zeichen Krebs, wirkt sich dies auf die Durchsetzungsfähigkeit aus und der Mensch agiert eher zurückhaltend, wenn es um die eigenen Interessen geht. Doch nicht zwingend. Denn die Stellung des Mars im Krebs ist zu ergänzen um seine Stellung in einem sogenannten Horoskophaus. Und dann wieder hängt es davon ab, wie er mit anderen Planten interagiert. Befindet sich Jupiter ebenfalls an der gleichen Stelle im Tierkreis modifiziert dies die Durchsetzung völlig anders als wenn anstelle des Jupiters sich Planet Saturn dort befände, und so weiter.
Statistik nun verlangt Isolierbarkeit einzelner Faktoren. Diese Voraussetzung kann die Astrologie nicht leisten. Das widerspricht ihr von den Grundannahmen her. Damit ist sie nicht alleine. Auch andere Disziplinen, wie beispielsweise Pädagogik können mit solchen Isolierbarkeiten nicht aufwarten.
Um es kurz zu machen: wer unpassende Methoden anwendet, darf sich nicht beschweren, dass hinterher nichts Gescheites raus kommt.
Ach, jetzt habe ich schon so viel geschrieben, und mindestens so viel Unsinn in der Sendung ist noch immer nicht kommentiert. Kaum zu glauben, wie viel Peinlichkeit man in 50 Minuten Radiobeitrag hinein packen kann. Statt an dieser Stelle fortzufahren, komme ich lieber zum Ende – schließlich habe ich auch noch Nützlicheres und Schöneres vor, als Pannenredakteuren all ihre Fehler vorzuführen.
Insgesamt erinnert mich dieser blamable Radiobeitrag an einen Vorfall aus dem Jahre 1975. Einige Naturwissenschaftler verfassten ein "Manifest gegen die Astrologie". Ein Journalist der BBC (also wirklich ein Journalist, kein Pascal Fischer) wollte einige der Unterzeichner dieses Manifests dazu befragen. Diese lehnten ab mit dem Hinweis, dass sie die Astrologie nie studiert hätten und mit ihren Details nicht vertraut seien. Ihre Unkenntnis hatte sie jedoch nicht daran gehindert, den Gegenstand öffentlich zu verfluchen. Für Wissenschaftler, die sich der Rationalität, der Objektivität und der Unparteilichkeit rühmen, ein peinliches Eingeständnis. Herr Fischer und der Deutschlandfunk haben es 33 Jahre nach diesem Eklat geschafft, eine vergleichbare Peinlichkeit zu wiederholen. Null Ahnung, aber mal kräftig dagegen anstinken.
Offensichtlich hat sich Pascal Fischer beim Zusammenstellen seiner Sendung und Verfassen des Moderationstextes streng an Wilhelm Busch orientiert, von dem der Aphorismus überliefert ist:
"Oft ist das Denken schwer, indes,
das Schreiben geht geht auch ohne es."
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Der Deutschlandfunk! Das macht Eindruck. Schließlich versteht sich diese Welle von Anbeginn ... als Informationssender, der seine Zuhörerinnen und Zuhörer sachlich informiert statt sie mit Zerstreuung ... bei Laune zu halten. Intendant Professor Ernst Elitz verspricht: Wir bieten nicht nur News, sondern Hintergrund aus Politik und Kultur (alle Zitate aus der
Pascal Fischer jedenfalls sagte ich ein Interview in der Mittagspause des Seminars zu; ob er während des Kurses bleiben und Aufnahmen machen könnte, konnte ich ihm nicht garantieren. Denn das wollte ich nur gewähren, wenn von Seiten der Teilnehmenden kein Einspruch erfolgte.
Was war das überhaupt für ein Kurs? In diesem vierteiligen Seminar ging es um eine gezielte Vorbereitung auf die Astrologie-Berufsprüfung vor dem Deutschen Astrologenverband. Das Angebot richtete sich an Menschen, die sich noch einmal vor der Prüfung in einer gezielten Trainingseinheit "fit machen" wollten. So etwas wie ein Übungskurs vor einer wichtigen Prüfung. Deshalb hieß es auch deutlich in der Kursausschreibung: Die Teilnahme am Prüfungsvorbereitungskurs setzt eine abgeschlossene Astrologie-Ausbildung bzw. einen damit vergleichbaren Wissensstand voraus.
Schon am Telefon bezweifelte ich gegenüber Herrn Fischer, dass er da wohl nichts von dem, was wir im Seminar behandeln würden, verstände. Ebenso, wie man als Laie wohl nichts kapiert, wenn man einer Übungsgruppe von Medizinstudenten beiwohnt, die sich gerade auf ihr Examen vorbereiten. Herr Fischer winkte ab: ihm ginge es ja nur um ein bisschen "Atmo" (= Atmosphäre).
Astrologen und Astrologinnen, die im aufwendigen Prüfungsverfahren ihr Wissen und auch ihren verantwortungsvollen Umgang mit Klienten darlegen (siehe DAV-Prüfung), geloben, ihren Beruf
Was am 5. Januar 2008 über den Äther ging war nämlich ein Schock! Eine knapp fünfzigminütige Sendung, unterbrochen von insgesamt zwölf Minuten belangloser Musikschnipsel, die den basalen Ansprüchen an journalistische Sorgfaltspflicht nicht annähernd genügte. "Sechs, setzen", möchte man dem Macher Herrn Fischer zurufen.
Im Detail:
Unsachliches
Macht man eine Sendung über Astrologie, so stellt sich die Frage, welchen Informationsgehalt Kleidung oder Aussehen von Interviewpartnern haben. So erwähnt der "Journalist" Fischer explizit das Outfit einer Astrologin mit den Worten Star-Qualitäten hat auch ihr dunkelroter Mantel, innen Pelz, außen schillernd. Über mein Erscheinungsbild heißt es wertend: Holger Faß, fliehende Stirn, Hemd, gelbe Krawatte mit blauen Punkten. Ein bisschen wie Planeten eben. (Eine Belanglosigkeit, dass es anders herum eine blaue Krawatte mit gelben Punkten war – wäre es nicht typisch für die Richtigkeit und Aufmerksamkeit, mit der der "Journalist" seiner Arbeit nachgegangen ist.) Welche Relevanz im Zusammenhang mit der Astrologie hat mein Schlips? Welche meine "fliehende Stirn"? Ein Schelm, wer dabei an Demagogik denkt. Um so mehr, da ausschließlich die Astrologinnen und Astrologen optisch (abwertend) beschrieben werden. Die Astrologie-Kritiker kommen unkommentiert zu Wort. Man erfährt nicht, dass der hier als Astrologie-Kritiker auftretende Jürgen Hamel "hängende Wangen" oder der astrologiekritische Rechtsanwalt Mark Schmidt vorstehende Zähne hat und auch die "fliehende Stirn" des Astrologie-Kritikers Michael Kunkel scheint keiner Erwähnung wert; dabei ist sie, wie bei mir, wahrlich
Gleiches gilt für andere "Hinweise", die dem Radiohörer gegeben werden. Über den Seminarort heißt es beispielsweise ausführlich: An jenem Samstag führt der Weg auf ein altes Fabrikgelände, vorbei an Stapeln mit gehacktem Holz und alten Gartenmöbeln. ... Weiß getünchte Ziegelsteinwände, heller, abgenutzter Parkettboden. Irrelevant, wenn man der Frage nachgehen will, ob alles in den Sternen stünde (so der fragende Titel der Sendung). Welche Absicht könnte der "Journalist" verfolgt haben, der auf den abgenutzten Parkettboden hinweist, auf dem ein Seminarleiter mit einer fliehenden Stirn einen Kurs abhält? Sollte hier etwa der Astrologe und die Astrologie im allgemeinen in ein unerfreuliches Licht gesetzt werden? Mit solcherlei unlauteren Mitteln? Sollten dem "Journalisten" die Argumente ausgegangen sein? Wer es nicht glaubt, für den gibt es noch ein Zitat des Moderators: Den Vortrag hält geduldig lächelnd Holger Faß. Wenn Sie dies hören: wie stellen Sie sich die Zuhörerschaft nun vor? Vielleicht als eine Gruppe dummer oder gelangweilter Personen, denen man nur mit "geduldigem Lächeln" Herr wird. Sollten es die Zuhörer immer noch nicht begriffen haben, dass sie Astrologie gefälligst doof zu finden haben, wird Pascal Fischer noch deutlicher: die Teilnehmer halten sich mit Bionade wach behauptet er frech und falsch.
Astrologiekursbesucher werden ebenso wie Klienten astrologischer Beratungen diffamiert. Über diese heißt es in der Sendung: die meisten ... schämen sich am Ende für ihre Dummheit, eine Astrologin konsultiert zu haben. Eine Behauptung ohne jeglichen Nachweis. Nicht eine einzige Person, die eine astrologische Beratung für sich nutzte und sich nachher schämte, konnte der "Journalist" ausfindig machen. Im Gegenteil: eine befragte Beratungsklientin erzählt freimütig, dass sie mit einer astrologischen Beratung zufrieden war: Hier bekomme ich Informationen, von denen ich feststelle, dass die zutreffen.
Eine sachliche Berichterstattung?
Was ich hier in diesem Artikel schwer darstellen kann, ist die ironische Betonung, mit der Fischer seinen Moderationstext liest. Sorry, wenn ich dass so deutlich sagen muss: dieser Tonfall ist wirklich widerlich. Beispielsweise ein nasales, mit lang gezogenem "ö" gesprochenes "seriöööös" im Zusammenhang mit dem Wort "Astrologie" lässt im Unterton nur einen Schluss zu: seriöse Astrologie sei an sich schon absurd. Der Ton macht die Musik. Und Herr Fischer ist sich nicht zu schade, ganz tief in die Demagogenkiste zu greifen. Schäbig. Sehr schäbig.
Anspielungen
Unsachlich sind auch die zahlreichen Anspielungen. Bei der Vorstellung einer Astrologin heißt es beispielsweise: Die Erfahrungen als Schauspielerin und Theaterproduzentin haben sicherlich auch nicht geschadet. Dem Zuhörer bleibt es überlassen, selbst zu phantasieren, wozu diese Erfahrungen "nicht geschadet" haben. Ob sie wohl genutzt haben? Und auch hier: wofür? Will Herr Fischer etwa unterstellen, als Astrologin bräuchte man schauspielerisches Talent? Welchen anderen Grund könnte solch eine merkwürdige Anspielung sonst haben? Natürlich hat er nicht wortwörtlich gesagt, dass Astrologen eben eine Schau spielen, aber die Assoziation dazu liegt nach seiner Formulierung auf der Hand.
Schlampige Recherche
Journalismus in Deutschland ist ein Trauerspiel. Selbst Deutschlandradio-Intendant Ernst Elitz beklagt dies: Ein ganzes Fach lebt an seiner Bedeutung vorbei schrieb er am 7.2.1997 in der ZEIT. Reporter sehen offensichtlich ihre Aufgabe darin, Vorgekautes wiederzugeben. Pressemeldungen werden oft kaum umgeschrieben sondern wortgleich abgetippt, jeder Pfurz einer angeblich bedeutsamen Person als Meldung in die Welt getragen, Falschaussagen werden wieder und wieder zitiert, manche beherrschen nicht einmal die Grundregeln deutscher Rechtschreibung (so war laut der Online-Redaktion von web.de vor zwei Tagen im hessischen Wahlkampf die SPD der CDU auf den "Versen"). Die Schlamperei im deutschsprachigen Journalismus rührt vermutlich auch daher, weil Recherche nur noch mittels Google durchgeführt wird – und oft selbst nicht mal das. Was man von Privatsendern gewohnt ist, hofft man nicht auch beim Deutschlandfunk zu finden. Weit gefehlt.
So wird der " Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.", kurz GWUP, gleich zwei mal während der Sendung die Gelegenheit zur Darstellung gegeben. Sowohl Michael Kunkel als auch Mark Schmidt vertreten diese Organisation. "Journalist" Fischer hätte gut daran getan, seine Interviewpartner zu hinterfragen. Dann wäre ihm aufgegangen, dass er hier einer Gruppierung ein Podium bot, die sich selbst harscher Kritik stellen müsste. Für Insider (ehemalige GWUP-Mitglieder) besteht beispielsweise
Noch Fragen?
Auch der Skeptiker und Astrologie-Kritiker Dr. Edgar Wunder der Universität Heidelberg berichtet zahlreiche Peinlichkeiten, von denen ich hier nur eine zitiere:
Insgesamt kommt Dr. Edgar Wunder zu dem Schluss, dass die GWUP eine Diffamierungskampagne betreibt:
Über Herrn Fischers Kollegen fügt Dr. Wunder übrigens hinzu: Schon bald musste ich jedoch erkennen, dass die Rezeption dieser "Prognosenprüfungen" durch die Medien einen problematischen Verlauf annahm. Allzuoft wurden Zusammenstellungen von "Fehlprognosen" in sensationsheischender Manier dazu missbraucht, in undifferenzierter Weise Hohn und Spott über alles auszugießen, was irgendwie mit Astrologie oder "Hellsehen" zusammen hing. Ohne Beachtung des Kontextes wurde der Aussagegehalt jener Daten maßlos überinterpretiert oder die Angelegenheit zum Anlass genommen, um empirisch unzutreffende Stereotype über Astrologen zu verbreiten. ... Zu groß ist die Versuchung, auf die Schadenfreude der Leser zu spekulieren und eine unterhaltsame Geschichte auf dem Rücken "der" Astrologen zu konstruieren, die nicht zuletzt auch vom Bedienen diverser gängiger Stereotype lebt. Dabei werden nicht in dieses Konzept passende Informationen tendenziell ignoriert und ausgeblendet, teilweise wurden sogar falsche Zitate und Zahlen frei erfunden, um Kompatibilität mit dieser stereotypisierten Erzählung herzustellen.
Ob es eine schlampige Recherche war oder bewusste Verdrehung der Fakten kann ich nicht sagen. Sicher ist, dass der "Journalist" Fischer durch geschickte Wortwahl den Eindruck erweckt, Astrologie sei nebenbei erlernbar. Wie Sie oben erfahren haben, besuchte er kurz eine Art Repetitorium, also ein Seminar zur Wiederholung von Wissen und Kenntnissen, um eine Prüfung zu bestehen – keine Astrologie-Ausbildung. Seinen Besuch in diesem Kurs kündigt er in der Sendung wie folgt an: Fast überall in Deutschland kann man neben dem Job eine Berufsausbildung zum Astrologen absolvieren; so auch in Köln. An jenem Samstag im Dezember führt der Weg auf ein altes Fabrikgelände, vorbei an Stapeln mit gehacktem Holz und alten Gartenmöbeln. Der Crash-Kurs findet im Sozialistischen Selbsthilfezentrum statt. Hört sich so an, als sei es ein "Crash-Kurs in Astrologie", eine "Astrologie-Ausbildung an zwei Tagen"; nichts Ernstzunehmendes also.
De facto handelte es sich bei jenem Kurs, wie schon erläutert, nicht um einen Teil der Astrologie-Ausbildung.
Astrologie-Kritik
Wenden wir uns abschließend den inhaltlichen Vorwürfen zu. Zweifelsohne gibt es Punkte, die man an der Theorie der Astrologie hinterfragen kann. Zweifelsohne gibt es auch berechtigte Kritik an der deutschsprachigen Astrologie-Landschaft. Ich fürchte, es gibt auch Betrüger, die sich Astrologe nennen. Wahrscheinlich nicht so viele wie in Politik und Wirtschaft, aber natürlich ist jeder Betrüger einer zu viel. Sachliche Astrologie-Kritik wurde vom Deutschlandfunk jedoch nicht vorgebracht. Die hier in der Sendung stereotyp nachgeplapperten "Argumente" gegen die Astrologie sind nicht nur zum Teil seit über 2000 Jahren widerlegt (!), sondern gehen obendrein fast immer an der Sache meilenweit vorbei. Fast so, als ob man einem Apfel vorwürfe, dass er nicht nach Kirsche schmeckt.
Das Geldargument
Neun mal schafft es "Journalist" Pascal Fischer darauf hinzuweisen, dass Astrologie offenbar eine Geldmaschine sei (hier jeweils die Sendeminuten, in denen er das tut: 2:01, 3:19, 3:53, 4:32, 6:17, 7:02, 7:18, 8:33, 8:42). Der Umsatz in Millionenhöhe der Firma Questico wird dabei ebenso erwähnt wie nicht weiter genannte Kunden, die angeblich Tausende von Euro bei Astrologinnen gelassen hätten. Ein Nachweis der Richtigkeit dieser Aussagen fehlt natürlich.
Tun wir einen Moment so, es sei tatsächlich so, dass man mit Astrologie viel Geld verdienen könne. Warum sollte das gegen die Astrologie sprechen? Mit Telekommunikation kann man beispielsweise viel Geld verdienen oder auch mit Reiseangeboten. Sind Telekommunikation oder Fernreisen deswegen per se verdammenswert? Wir leben in einer geldbeherrschten Kultur und es gibt viele Gründe, dies zu beklagen und zu kritisieren. Doch Astrologen vorzuhalten, sie würden für ihre Dienstleistung ein Salär in Anspruch nehmen, ist in diesem Kontext schlichtweg belanglos. Oder will "Journalist" Fischer Neid bei Zuhörern schüren: den Astrologen werfe man Hunderttausende in den Rachen für nichts als Schauspielerei...? Billige Propaganda kann doch nicht Sinn des Deutschlandfunks sein, oder?
Was kostet eigentlich eine astrologische Beratung?
Die Preise sind unterschiedlich. Sicherlich zahlen Sie jedoch deutlich weniger als bei einem Rechtsanwalt, einem Coach oder einem Organisationsberater, um nur mal ein paar andere Beratungsberufe zu nennen. Für eine einstündige Sitzung bei einem ausgebildeten, erfahrenen Astrologen kann man mit einer Honorarforderung von ca. 80 bis 120 Euro rechnen. Bei mir zahlen Sie aktuell beispielsweise 95,- Euro dafür (siehe Honorarliste). Es steht jedem frei, eine astrologische Beratung für 95 Euro als "zu teuer" zu apostrophieren. Das ist wohl Geschmackssache. Ich persönlich halte das nicht für "zu teuer" – ein Oberhemd zum gleichen Preis hingegen schon. Andere würden wohl eher für das Oberhemd 95 Euro auf den Tisch legen. Ob eine Sache teuer ist oder nicht, hängt jeweils davon ab, welchen Wert ich ihr zumesse. Selbst Astrologiekritiker Dr. Edgar Wunder kommt zu dem Ergebnis,
Es ist eine ehrliche Arbeit. Meine Tätigkeit zielt nicht darauf, Waffen herzustellen oder zu verbreiten, Tiere zu quälen, Folter und Ungerechtigkeit zu ermöglichen oder Ökosysteme zu zerstören, und es fallen auch keine Umweltgifte an. Ich überfalle niemanden mit lästigen Werbetelefonanrufen und dränge mich nicht durch Radio-, TV- oder Zeitschriftenwerbung auf. Für eine einstündige Lebensberatung, die mich zusätzlich ca. eine Stunde Vorbereitung und ca. 15 Minuten Nachbereitung kostet, halte ich alles in allem 95,- Euro durchaus für angemessen. Oder ist das Stellen einer Rechnung in meiner Branche bereits ein Verbrechen?
Die Präzession
O-Ton aus der besagten Sendung: So vieles spräche gegen die Astrologie, erklärt Jürgen Hamel. Beispielsweise dass man die Tierkreiszeichen wie vor 2000 Jahren über die Monate verteilt. Herr Fischer: ich kann (wie in der Sendung gesagt) nur noch mal betonen, dass Sie die DAV-Prüfung nicht bestehen würden. Das ist derart schräg formuliert, dass Sie damit vor allem eines beweisen: Unkenntnis. Doch weiter im Text: Leider aber eiert die Erde im Weltall und dadurch haben sich die Sternbilder in zwei Jahrtausenden verschoben. Nein, nicht die Sternbilder haben sich verschoben. Die zwei Tierkreise, der siderische und der tropische haben sich in ihrem Verhältnis zueinander verschoben. Haben Sie bei Ihren "Recherchen" überhaupt mitgekriegt, dass es zwei Tierkreise gibt? Weiter im Text: Will heißen, wer heute Zwilling ist, ist eigentlich Stier. Was heißt "eigentlich"?
Nun folgt ein Statement von Jürgen Hamel: Das ist ja der Trick. Sie sind noch das Tierkreiszeichen, aber wenn Sie jetzt Ihre Sterne suchen, dann müssen Sie genau den 30-Grad-Bereich daneben gucken. Also Sternbild Zwillinge sind nicht mehr das Tierkreiszeichen. Was heißt "nicht mehr"? Worüber hier schwadroniert wird, ist unter dem Phänomen der Präzession bekannt. Diese wurde bereits um 150 v. Chr. von Hipparch beschrieben. Richtig ist, dass die Erde eine Kreiselbewegung macht und daher der siderische Tierkreis, das sind die sich aus Fixsternen zusammensetzenden, am Himmel sichtbaren Sternbilder, sich im Verhältnis zum tropischen Tierkreis, das ist die gedachte Bahn resultierend aus der Erddrehung um die Sonne, zueinander verschieben. Es ist so, wie wenn ich auf der Autobahn neben einem anderen Wagen fahre. Fährt das Auto auf der anderen Spur gleich schnell, so bleiben wir auf gleicher Höhe. Ist eines etwas schneller, verändern wir unsere Position zueinander. Muss ich deswegen an den Angaben am Armaturenbrett meines Autos zweifeln? Nein! Denn Tacho und Tankanzeige sind nicht an den anderen Wagen gekoppelt. Es ist irrelevant, wie schnell ein anderes Auto neben mir fährt, wenn ich die Benzinanzeige meines Wagens betrachte. Ebenso irrelevant ist der siderische Tierkreis, da die westlichen Astrologen mit dem tropischen Tierkreis arbeiten. Nicht nur die Astrologen übrigens. Auch die Astronomen. Die NASA gibt eigens Sternstandtabellen (Ephemeriden) heraus, in der alle Planetenpositionen in Bezug auf den tropischen Tierkreis angegeben sind. Er hat gegenüber dem siderischen Tierkreis eben als Berechungsgrundlage wesentliche Vorteile. Dieses "Argument" zeugt nur von Einem: von abgrundtiefer Unkenntnis der Materie!
Gravitation
Aber nun glauben viele Menschen, die Gravitation könnte eine Erklärung sein behauptet Herr Fischer, und stellt damit eine These auf, die mir neu ist. Ich jedenfalls kenne nicht "viele Menschen" die derartiges glauben. Astronom Hamel ergänzt korrekt, dass die Gravitationseinflüsse aufgrund der Entfernungen der Planeten und der geringen Massen praktisch ohne Bedeutung sind. Völlig richtig. Ein Apfel schmeckt eben nicht nach Kirsche. Gravitation hat mit Astrologie nichts zu tun. Kein Astrologe geht davon aus, dass Gravitation ein Erklärungsmodell für die Astrologie sei. Wirft man der Medizin vor, dass es Leute gibt, die nicht Lesen und Schreiben können? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Was soll Gravitation mit Astrologie zu tun haben? Was wird in dieser Sendung eigentlich für ein Unsinn geredet?
Wer ein physikalisches Erklärungsmodell wünscht, sollte sich Dr. Percy Seymours Buch "Astrologie. Beweise der Wissenschaft" zu Gemüte führen (Vorsicht: keine Bettlektüre. Mitdenken erforderlich!). Der britische Astronom entwickelt darin ein mögliches Erklärungsmodell, das, wie andere Modelle in der Physik eben auch, Diskussionsgrundlage sein kann. Wenn man es denn gelesen hätte... Dass die Gravitationskräfte von Venus, Mars oder Uranus Einfluss auf einen einzelnen Menschen hätten, behaupten schlimmstenfalls XXXXXX *Schimpfwort / zensiert*; oder "Journalisten".
Wenn wir nach Zusammenhängen zwischen "oben" und "unten" suchen, dann kommen wir in den Bereich der akausalen Beziehungen. In einer Zeit, in der die Physik Akausalität nicht mehr leugnet, wird es schwierig für Personen, die ein Kausalitätsdogma aufrecht erhalten wollen. Über Sinn und Zweck akausaler Zusammenhänge können wir diskutieren. Kausalkritik, wie beispielsweise vom Physiker Wolfgang Pauli oder vom Physiker und Wissenschaftstheoretiker Ernst Mach formuliert, ist dann in der Diskussion ebenso mit zu berücksichtigen, wie die Modelle und Erkenntnisse der Quantenforschung. Das wäre mal für ein anspruchsvolles Radioprogramm ein anregender Ansatz. Aber doch nicht die von keinem Astrologen aufgebrachte Gravitationstheorie. Wenn Sie kritisieren, Herr Fischer, dann doch das, was die Zunft, die Sie kritisieren wollen, als Argumente vorbringt. Warum beispielsweise haben Sie sich mit mir nicht über diese Punkte unterhalten? Warum haben Sie mir vorgegaukelt, es ginge um die Berufsprüfung? Ich hätte Ihnen durchaus einiges zur Theorie der Astrologie erklären können; Ihre vorurteilsfreie Neugier und die Fähigkeit zum eigenen Mitdenken vorausgesetzt.
Künstlichkeit
Es wird in der Sendung darauf hingewiesen, dass Astrologie ein "künstliches System" sei. Das ist ein interessanter Punkt. Ist Astrologie künstlich? Darüber kann man streiten. Gehen wir doch einfach mal spaßeshalber davon aus, dass dieser Kritikpunkt berechtigt sei. Sagen wir: ja, Astrologie sei ein künstliches System. Was folgte daraus? Dass man sie nicht mehr anwenden sollte?
Wir nutzen (durchaus mit Erfolg) unzählbare künstliche Systeme. Die Einteilung der Erde in Breiten- und Längengerade ist nun wirklich nichts naturhaftes, sondern ein künstliches System. Es hilft uns, auf der Erde die Orientierung zu behalten. Wir können damit exakte geographische Angaben machen und Ihr Navi kann Ihnen sagen, ob Sie an der nächsten Ampel links abbiegen müssen oder nicht. Die Frage, ob etwas künstlich ist oder nicht, ist nicht relevant, wenn es um eine Bewertung geht – entscheidend ist die Nützlichkeit. Die richtige Frage müsste demnach gelautet haben: "Ist Astrologie nützlich?". Wenn sie nützlich ist (und ich behaupte, sie ist es), dann ist es sogar egal, ob sie künstlich ist. Die Physik arbeitet mit zahlreichen Modellen, die allesamt künstlich sind – aber sie sind nützlich und werden daher weiter verwendet. Von welchem Arzt würden Sie sich eher behandeln lassen: von einem, der seiner Arbeit ein "künstliches System" zugrunde legt und hohe Heilquoten hat, oder von einem, der sich auf solch ein "künstliches System" nicht einlassen will und eine niedrige Heilquote aufweist? Gibt es nicht, meinen Sie? Falsch. Ignaz Semmelweis senkte im 19. Jahrhundert die Sterblichkeitsrate durch Kindbettfieber in der Klinik für Geburtshilfe in Wien drastisch dadurch, dass er eine unlogische Handlung einführte: er trug den Medizinern auf, sich immer dann, wenn sie eine Entbindung vornähmen oder die werdenden Mütter untersuchten, vorher die Hände zu waschen. Schwachsinnig, meinten andere, denn Bakterien waren seinerzeit nicht bekannt. Es gab also ein künstliches, nicht erklärbares System: Hände waschen verringert Infektionen. Unbewiesen. Aber erfolgreich und somit nützlich.
Wenn etwas nützlich ist, wenn etwas brauchbar ist, dann ist es gut, es zu haben. Astrologie wäre im Laufe der Zeiten längst ausgestorben, wäre sie nicht brauchbar und nützlich für die Menschen.
Allgemeine Floskeln
Fast sechs Minuten wird ein Interview mit Katja Furthmann gesendet, die als Sprachwissenschaftlerin ca. 3000 Horoskoptexte aus Zeitungen und Zeitschriften auf die Semantik hin untersuchte. Dabei stellte sie fest, dass die oft nur wenige Zeilen langen Textchen allgemein gehalten sind. "Journalist" Fischer fasst ihr Fazit zusammen: Äußerst trickreich wenden sich die Horoskope an ein Massenpublikum. (Bitte mitdenken: wenn "Journalist" Fischer hier von "Horoskopen" spricht, meint er nicht etwa "Horoskope", sondern jene Zeitschriftentextchen – was ein Horoskop ist, kann man
Scherz beiseite: Man muss sich nicht lange mit Astrologie beschäftigt haben, um zu verstehen, dass jene Massentexte mit Astrologie so viel zu tun haben wie ein Pornofilm mit Sexualwissenschaft. Frau Furthmann ist kein Vorwurf zu machen. Sie hat am Beispiel jener Texte massentaugliche Kommunikationsmuster dargestellt. Sie selbst scheint zu wissen, dass dies mit ernstzunehmender Astrologie nichts zu tun hat, benennt sie jene Textchen doch als "Vulgärastrologie" (in Abgrenzung zu seriöser Astrologie). Fischer blendet solch einen Hinweis aus, so dass der Eindruck entsteht, Frau Furthmann nähme keine solche Unterscheidung vor. Selbst die als esoterikfeindlich bekannte Tageszeitung
Statt auf solcherlei hinzuweisen – was tut der Fischer Pascal? Er bittet Frau Furthmann, einen Horoskoptext zu erfinden. Es wird immer abstruser. Soll das etwa ein Argument gegen die Astrologie sein? Ich fasse mir an den Kopf! Mehr als ein Zehntel der Sendezeit nur dafür!
Übrigens bedient sich "Journalist" Pascal Fischer selbst der sprachlichen Wendungen, die er hier kritisierend vorführt. So wird beispielsweise dargelegt, dass massenkompatible Textchen relative Ausdrücke verwenden: Relative Ausdrücke sind zum Beispiel Adjektive oder Adverbien wie groß und klein, viel und wenig, schnell und langsam, leicht und schwer. "Viel wird sich nun ändern" sagt das Horoskop einer Frauenzeitschrift beispielsweise, doch wie viel ist denn viel? beschreibt Frau Furthmann dieses Prinzip. Herr Fischer kennt diese Vorgehensweise anscheinend und nutzt sie für sich selbst. Dazu nur ein Exempel: An anderer Stelle der Sendung fragt er den Geschäftsführer einer Firma, die Telefonvermittlung zwischen Ratsuchenden und Esoterikern herstellt: Wie sieht es aus wenn ich ein ganz ernsthaftes Problem habe: sollte ich mich bei Ihnen beraten lassen? und unterstellt, dass für "ganz ernsthafte Probleme" die Astrologie nicht tauglich sei. Doch wann ist ein Problem "ganz ernsthaft"? Jede Antwort, die der Geschäftsführer darauf gibt, kann aufgrund der relativen Fragestellung leicht im schlechtesten Sinne zerpflückt werden. Stellt ein "Journalist" relative Fragen, hat er selbst den Wind verursacht, in den er dann hineinsprechen kann.
Statistik
Aber schließlich versuchen ja gerade auch Astrologen ihre Lehre naturwissenschaftlich zu untermauern; und sind bislang immer gescheitert. Keine Statistik beweist, dass Horoskop und Charakter irgendwie zusammenhänge, glaubt "Journalist" Fischer zu wissen. Nebenbei: Statistik ist kein Teil der Naturwissenschaften. Statistik ist eine Methode, die auch in geisteswissenschaftlichen Disziplinen angewendet wird. Aber lassen wir das, konzentrieren wir uns auf die Kernaussage: kein statistischer Beweis für die Astrologie.
Stimmt das?
Um das so zu sagen müsste man alle statistischen Untersuchungen kennen, die zu diesem Gegenstand je durchgeführt wurden. Obwohl ich mich nunmehr seit knapp 30 Jahren mit Astrologie beschäftige, traue ich mir eine solche Kenntnis nicht zu. Ich weiß, dass auch zahlreiche wohlmeinende statistische Erhebungen den gewünschten "Astrologiebeweis" nicht liefern konnten und weiß zudem, dass solche Untersuchungen, die das scheinbar schaffen, in viel zu vielen Punkten kritikwürdig sind, als dass ich sie zitieren wollte. Pascal Fischer weiß noch mehr, er kennt ja scheinbar alle derartigen Untersuchungen. Okay. Ich vertraue seiner Kenntnis und gehe davon aus, dass es stimmt was er sagt. Hat er der Astrologie damit den Todesstoß versetzt?
Mitnichten.
Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich krank und fiebrig; innerlich ist Ihnen heiß und kalt zugleich, der Kopf fühlt sich schummerig an und so weiter. Nun wollen Sie Ihre Körpertemperatur messen. Welches Instrument benutzen Sie dafür? Ein Barometer (Luftdruckmessgerät) oder ein Thermometer (Temperaturmessgerät)? Sie sagen zurecht, dass dies eine blöde Frage ist. Denn natürlich kann ich die Körpertemperatur korrekt nur mit dem Thermometer messen. Nun stellen Sie sich aber mal kurz vor, Sie würden das Barometer benutzen und feststellen, dass es keinen nennenswerten Ausschlag zeigt – egal, ob Sie als fiebriger Mensch es eine Stunde in der Hand halten oder ob es ein gesunder Mensch eine Stunde in der Hand hält. Könnte das ein Argument sein, dass beweist, dass Sie offensichtlich gar kein Fieber haben? Wieder bezichtigen Sie mich zurecht des Blödsinns.
Astrologie mit den Methoden der Statistik "beweisen" zu wollen, ist letztlich nichts anderes, als Fieber mit einem Barometer zu messen: es funktioniert nicht. Selbst scharfe Astrologie-Kritiker sind inzwischen daher davon abgerückt, mit statistischen Methoden gegen die Astrologie vorzugehen – aber nur solche Kritiker, die sich auch mit der Materie vertraut gemacht haben. Schon am 1976 wies der Physiker C. F. von Weizsäcker während eines ARD-Fernsehauftritts darauf hin, dass an der Astrologie zwar etwas dran sei, dass man es aber mit Hilfe der Statistik nicht herausbekommen könne. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die sich aus dem System der Astrologie ergeben. Beispielsweise ist die Arbeit mit Symbolen stets vieldeutig. Mars ist ein Symbol für Durchsetzung, aber auch für Sport, Chirurgie, Vitalität, Lust und anderes. Statistik verlangt jedoch Eindeutigkeit in der Zuordnung. Ein Symbol, das bei einem Menschen so, bei einem anderen anders übersetzt werden muss, lässt sich statistisch nicht erfassen.
Die Astrologin und EDV-Systementwicklerin Csilla Hartmann wird in der hier von mir kritisierten Sendung mit einer wichtigen Aussage zitiert: Wenn man als Programmiererin arbeitet, geht es darum, eine Sprache, die die Maschine, der Computer kann, in eine menschliche Sprache zu übersetzen, bzw. umgekehrt. Und bei der Astrologie geht es darum, eine Symbolsprache in Deutsch oder eine "normale" Sprache zu übersetzen. Die Arbeit mit dem Horoskop ist also primär eine Übersetzungstätigkeit!
Stellen Sie sich vor, man wollte eine Sprache statistisch auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Das ist vom Ansatz her schon zum Scheitern verurteilt. Statistisch lässt sich bestenfalls erfassen, wie oft bestimmte Konsonanten auftauchen oder ob es einzelne syntaktische Häufungen gibt. Doch die Sprache selbst hat damit niemand erfasst.
Weiter ist ein Horoskop ein interdependierendes System. Zahlreiche Faktoren greifen ineinander. Verändere ich einen Faktor, verändere ich das Gesamtsystem. Daher legen seriöse Astrologen stets großen Wert darauf, keine Einzelaussagen über Einzelfaktoren zu deuten. Mars steht beispielsweise für Durchsetzungskraft. Doch nur dann rein und ungebrochen, wenn er im Widder steht. Befindet er sich im Zeichen Krebs, wirkt sich dies auf die Durchsetzungsfähigkeit aus und der Mensch agiert eher zurückhaltend, wenn es um die eigenen Interessen geht. Doch nicht zwingend. Denn die Stellung des Mars im Krebs ist zu ergänzen um seine Stellung in einem sogenannten Horoskophaus. Und dann wieder hängt es davon ab, wie er mit anderen Planten interagiert. Befindet sich Jupiter ebenfalls an der gleichen Stelle im Tierkreis modifiziert dies die Durchsetzung völlig anders als wenn anstelle des Jupiters sich Planet Saturn dort befände, und so weiter.
Statistik nun verlangt Isolierbarkeit einzelner Faktoren. Diese Voraussetzung kann die Astrologie nicht leisten. Das widerspricht ihr von den Grundannahmen her. Damit ist sie nicht alleine. Auch andere Disziplinen, wie beispielsweise Pädagogik können mit solchen Isolierbarkeiten nicht aufwarten.
Um es kurz zu machen: wer unpassende Methoden anwendet, darf sich nicht beschweren, dass hinterher nichts Gescheites raus kommt.
Ach, jetzt habe ich schon so viel geschrieben, und mindestens so viel Unsinn in der Sendung ist noch immer nicht kommentiert. Kaum zu glauben, wie viel Peinlichkeit man in 50 Minuten Radiobeitrag hinein packen kann. Statt an dieser Stelle fortzufahren, komme ich lieber zum Ende – schließlich habe ich auch noch Nützlicheres und Schöneres vor, als Pannenredakteuren all ihre Fehler vorzuführen.
Insgesamt erinnert mich dieser blamable Radiobeitrag an einen Vorfall aus dem Jahre 1975. Einige Naturwissenschaftler verfassten ein "Manifest gegen die Astrologie". Ein Journalist der BBC (also wirklich ein Journalist, kein Pascal Fischer) wollte einige der Unterzeichner dieses Manifests dazu befragen. Diese lehnten ab mit dem Hinweis, dass sie die Astrologie nie studiert hätten und mit ihren Details nicht vertraut seien. Ihre Unkenntnis hatte sie jedoch nicht daran gehindert, den Gegenstand öffentlich zu verfluchen. Für Wissenschaftler, die sich der Rationalität, der Objektivität und der Unparteilichkeit rühmen, ein peinliches Eingeständnis. Herr Fischer und der Deutschlandfunk haben es 33 Jahre nach diesem Eklat geschafft, eine vergleichbare Peinlichkeit zu wiederholen. Null Ahnung, aber mal kräftig dagegen anstinken.
Offensichtlich hat sich Pascal Fischer beim Zusammenstellen seiner Sendung und Verfassen des Moderationstextes streng an Wilhelm Busch orientiert, von dem der Aphorismus überliefert ist:
"Oft ist das Denken schwer, indes,
das Schreiben geht geht auch ohne es."
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