Gefangenschaft - Freiheit

Gefangenschaft - Freiheit, 09.09.2006


Der "Fall" Natascha Kampusch ist aufgrund seines Medienhypes sicherlich den meisten Leserinnen und Lesern bekannt. Doch es ist nicht das einzige Ereignis dieser Art. Zeitgleich fanden andere Befreiungen statt - das lässt mundanastrologische Fragen aufwerfen.

Ende Augst 2006 konnte sich Natascha Kampusch aus dem Gefängnis befreien, in dem sie acht Jahre eingesperrt war. Die Freude über das Ende der Qual ist groß, unser Mitgefühl für Ihre leidvollen Erfahrungen ebenso. Jetzt wünschen wir ihr vor allem Ruhe und Kraft - auch Ruhe vor dem Medienrummel.

Ende August 2006 endete ebenfalls ein Martyrium; nämlich das des 24jährigen Deutsch-Türken Murat Kurnaz. Auch seine "Geschichte" ging um die Welt. Vor fünf Jahren wurde er während einer Pilgerreise festgenommen und als Talibankämpfer verdächtigt hielt das US-Militär ihn in dem Folter-Camp Guantanamo Bay fest. Die gegen Murat Kurnaz erhobenen Vorwürfe erwiesen sich bereits nach kurzer Zeit als haltlos - unabhängig davon blieb er fünf Jahre ohne Anklage in Gefangenschaft.

Detlev Lücke zieht in einem Artikel in der Wochenzeitschrift tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif FREITAG Parallelen:
Natascha Kampusch soll in ihrer drei mal vier Meter kleinen und 1,60 Meter hohen Zelle, in der sich ein Fernseher und einige Bücher befanden, Tagebuch geschrieben haben. Priklopil war sich seiner Sache offenbar sicher. Schreiben durfte Kurnaz, soweit bekannt ist, nicht. Er verbrachte die gesamte Haftzeit tags wie nachts unter dem grellen Licht von Scheinwerfern. Auch Natascha Kampusch hat das Tageslicht nur bei den sehr seltenen Ausflügen an der Hand ihres Entführers gesehen. Beide Gefangene rochen und fühlten nicht den Wechsel der Jahreszeiten. Murat Kurnaz, nachdem ihm in Deutschland Hand- und Fußfesseln gelöst und das Klebeband von den Augen genommen worden war, bat seinen Rechtsanwalt anzuhalten. Er stieg aus dem Auto und blickte minutenlang in den Sternenhimmel.

Folter ist ein variables Mittel - diese Erkenntnis ist der gemeinsame Besitz von beiden, die den größten Teil ihres Lebens noch vor sich haben. Ob sie sich jemals daraus befreien, ist ein schwieriger Weg mit offenem Ausgang. In Jenseits von Gut und Böse hat Friedrich Nietzsche von Menschen geschrieben, die "in fernen entsetzlichen Welten einmal zu Hause" gewesen seien, von denen "ihr nichts wißt". Sie hätten alle Formen der Verkleidung nötig, "um sich vor der Berührung mit zudringlichen und mitleidigen Händen und überhaupt vor allem, was nicht Seinesgleichen im Schmerz ist, zu schützen". Natascha Kampusch hatte eine Decke über dem Kopf, als sich die Kameras auf sie richteten.


Ende August 2006 endete das Martyrium eines Kölner Rentners, der zwanzig Jahre lang von Nachbarn misshandelt, ausgebeutet und gedemütigt wurde. Ein 55jähriger Mann und seine 30jährige Tochter haben den Rentner auf übelste Weise gequält. Er wurde bei Minusgraden ohne Jacke zum Einkaufen geschickt oder nur mit einem Unterhemd bekleidet im Winter auf dem Balkon ausgesperrt. Die Täter hielten den alten Mann in einem Zimmer gefangen, das nur mit einer Matratze ausgestattet war. In diesem Zimmer musste der Gefangene auch seine Notdurft verrichten. Er wurde um seine monatliche Rente von 500 Euro erpresst und geschlagen. Andere Nachbarn haben das zum Teil gehört, sich aber nicht eingemischt.
(Siehe z.B. Nachrichtenlink
tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif hier.)

Drei Schicksale, die einen entscheidenden Wendepunkt Ende August 2006 erfuhren. In allen drei Fällen handelt es ich um das Wiedererlangen der Freiheit aus einer unmenschlichen Gefangenschaft. In allen drei Fällen wurden die Personen Opfer menschenverachtender Gewaltausübung, Misshandlung, Demütigung und Folter.Mir ist nicht bekannt, ob im gleichen Zeitraum weitere Fälle dieser Art zu verzeichnen sind. Wer etwas ähnliches gelesen hat, möge mir bitte dies mitteilen. Doch alleine diese drei Fälle, die allesamt ein breites Medienecho evozierten, ließ mich nachdenken, ob eine mundanastrologische Konstellation diese Ereignisse widerzuspiegeln in der Lage ist.

Um es gleich vorweg zu sagen: ich kann nicht mit einer brillianten astrologischen Analyse glänzen. Vielmehr stelle ich Fragen, wenn ich mir den Planetenhimmel ansehe, wie er sich Mitte / Ende August zeigte.

Wir bewegen uns zum einen in der Opposition von Neptun und Saturn. Dies würde die Heraustreten aus dem Versteck widerspiegeln. Neptun ist das Geheimnis, das, was wir nicht sehen (oder sehen nicht sehen wollen) - Saturn hingegen die Realität, die sich nicht verstecken lässt. Gleichsam steht Neptun für das Opfer, Saturn für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, auch für Staat und Form. Diese Opposition befindet sich auf der Löwe-Wassermann-Achse, die wir die "Individualisierungsachse" nennen. Hier geht es darum, die Persönlichkeit des Einzelnen in Beziehung zu setzen mit der Gemeinschaft. Was trägt jeder Einzelne zum Gemeinwesen bei? Neptun/Saturn ist natürlich auch die Auflösung von Grenzen. Nehmen wir das ruhig mal wortwörtlich, so wurden in allen drei Fällen die Grenzen der Gefangenschaft gelöst. Mauern, Stacheldraht oder Wohnungstür, in den vergangenen Jahren unüberwindbar, sind nun durchlässig geworden. Eine Sehnsucht (Neptun) ist Realität (Saturn) geworden.

Darüber hinaus zeigte sich in der Zeit ein Quadrat zwischen Jupiter und Saturn. Der Orbis ist mit ca. 4,5 Grad relativ groß und es obliegt jedem Astrologen / jeder Astrologin selbst zu entscheiden, ob dies berücksichtigt werden kann. Auch bei einer Jupiter-Saturn-Verbindung geht es um Freiheit und Toleranz auf der einen, sowie Einengung und Beschränkung auf der anderen Seite. In der Sprache der "alten Astrologie" begegnen sich der "fieseste Übeltäter" und "das große Glück". Im Spannungsapsekt zeigt etwas unvereinbares - hier kommt es zur Konfrontation, zur Be- oder Verarbeitung.

Schließlich kam es noch zu einer Opposition von Mars und Uranus. Vielleicht ist auch sie betrachtenswert, da es ja um das Thema "Befreiung" geht, was wir üblicherweise mit Uranus in Verbindung bringen. Uranus erhält darüber hinaus ein stärkendes Trigon von Jupiter, der damit in die zwei wesentlichen Aspekte der Langsamläufer eingebunden ist. Uranus selbst befindet sich ja im Zeichen Fische, was wiederum mit dem Geheimnis und der Opferthematik korrespondiert. Doch währt der Aufenthalt des Planeten Uranus in diesem Zeichen natürlich wesentlich länger als nur die Wochen im August.
Welche Rolle käme dann aber dem Mars zu? Ist er der Aggressor?

Und Pluto? Würde man bei solchen Themen nicht plutonische Einflüsse erwarten? Pluto bildete in der besagten Zeit in Trigon zur Sonne. Ohne dies überstrapazieren zu wollen könnte man vermuten, dass hier Bewusstsein (Sonne) in dunkle Abgründe (Pluto) gekommen ist, oder, wie Detlev Lücke es in seinem oben zitierten Beitrag formulierte, Licht auf Guantanamo zu werfen scheint tatsächlich dringend geboten. Da es zu einem solchen Aspekte jedoch zwei mal im Jahr kommt, sehe ich ihn bestenfalls als Zusatz. Die Hauptthematik scheint sich für mich in der Begegnung der Langsamläufer wiederzufinden.

Eine abgeschlossene Analyse kann ich nicht liefern. Ich möchte mit diesem Beitrag allerdings einen Gedankenaustausch anregen und freue mich daher über Meinungen, eigene Bebobachtungen, Fragen, Anregungen, Gedanken zu dieser hier beschriebenen Thematik. Nutzen Sie dafür das Kommentar-Feld
  tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif Ihre Meinung. Ich freue mich auf Ihre Beteiligung.


P.S.
Bitte bleiben Sie bei den Kommentaren bei der mundanastrologischen Betrachtung - denn um nichts anderes geht es in diesem Beitrag! Ich nutze nicht die Radices der betroffenen Personen. Ich weigere mich, einem Horoskopbild Prägungen oder Muster für Gewalterfahrung ableiten zu wollen, die in der Regel mit versteckten Schuld- oder Schicksalszuweisungen einhergehen; gemäß dem Motto "hätte er / sie Planet XY aus dem Horoskop erlöst gelebt, wäre das nicht nötig gewesen" oder "mit der XY-Konstellation wollte ihre / seine Seele genau diese Erfahrung machen". Das halte ich nicht nur für Blödsinn, sondern obendrein für verantwortungslos und eine üble Verschiebung der Täter-Opfer-Dynamik. Über das, was die Seele eines Menschen hier auf Erden möchte, kann ich mich nur verdachtsweise äußern. Allerdings gehe ich fest davon aus, dass wir nicht hier sind, um Gewalterfahrung zu machen, sondern lediglich ein Ziel haben: die Erfahrung der Liebe zu leben! Sonst nichts.

P.P.S.
Für viele gewaltlose politische Gefangene, für viele Menschen, die ohne Anklage, ohne Verteidigungsmöglichkeit, ohne Richterspruch gefangen gehalten werden, für viele Gefangene, die gefoltert werden, hat sich die Neptun-Saturn-Opposition nocht nicht befreiend ausgewirkt. Überlassen Sie dies bitte nicht den Planeten. Für das zwischenmenschliche Miteinander ist niemand anderes verantwortlich als die Menschen selbst. Mischen Sie sich ein! Weitere informationen finden Sie unter
  tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif www.amnesty.de Danke!

   
   

Zurück