Die rückläufige Venus
Die rückläufige Venus, 21.5.2012
Die rückläufige Venus
Steht Venus retrograd im Geburtsbild, so ist dies ein Hinweis darauf, daß der betreffende Mensch sich sein Selbstbewußtsein erst im Laufe der Zeit erarbeiten muß. Was er schön, sinnlich und angenehm findet, ist erst durch Innenschau zu erkennen. Der persönliche Geschmack orientiert sich jedenfalls nicht an dem, was er in und von seiner Umwelt angeboten bekommt. Vielmehr ist es die „Schönheit, die von innen kommt“, wie ein Slogan einer Werbebotschaft sagt. Mit dieser Botschaft sollen Pillen verkauft werden, die, so wird behauptet, aus einem schrumpligen Wirsing einen Pfirsich zaubern. Tatsächlich ist jedoch auch diese Wunderpille ein äußerer Faktor – also eigentlich „Schönheit, die von außen kommt“, die man erst kaufen und sich dann einverleiben soll. Menschen mit einer rückläufigen Geburtsvenus müssen nicht jede derartige Pille schlucken. Im Gegenteil: schaffen Sie Ihre eigene Ästhetik. Graben Sie tief in sich selbst und entdecken Sie dort einen Schatz an Anmut und Harmonie, der durch Pillen und Pasten nicht annähernd erreicht werden kann. Es geht darum, sich und seinen eigenen Geschmack anzuerkennen nicht obwohl man anders ist, als die anderen, sondern weil man andere Einstellungen hat. Natürlich bezieht sich dies nicht nur auf Fragen der Ästhetik, sondern zentral auf die persönliche Werte. Was Ihnen wirklich wichtig ist, wird Ihnen, so Sie eine rückläufige Venus haben, erst mit zunehmender Erfahrung offenbar:
„Es ist alles eine Frage der Zeit,
Die es dauert, bis man begreift,
Was wieviel bedeutet.“*
Zudem ist Erotik meist ein schwieriges Feld. Auf der einen Seite entsteht häufig ein großes Verlangen nach intimer Zweisamkeit, auf der anderen Seite wird dies durch mangelndes Selbstbewußtsein, unkonventionelles Schönheitsempfinden und einen hohen Anspruch an die Liebe torpediert. Der hohe Anspruch resultiert ebenfalls aus dem gegenläufigen Venussymbol. Stellen Sie sich bei der Rückläufigkeit vor, die entsprechende Energie könne nicht nach außen abgeführt werden. Im Laufe der Zeit entsteht somit eine Art Energiestau. Während man innen „voll von Liebe“ ist, bekommen die Zeitgenossen außen das nur wenig unmittelbar mit. Der venusische Energiestau erhöht nun den Druck auf das Liebessehnen und schafft damit eine sehr intensive, vielleicht sogar übermächtige Vorstellung von Beziehung und Partnerschaft. Der Widerspruch zwischen diesem großen Ideal einerseits und der Hemmung, diesem Ideal in Beziehungen eine konkrete Form zu geben, führt bisweilen zu künstlerischem Ausdruck. Was sich hier wie Sublimation anhört, kann jedoch zugleich ein Weg sein, die eigene Beziehungsfähigkeit besser kennenzulernen und für seinen persönlichen Geschmack einen adäquaten Stil zu finden. Ist die rückläufige Venus beispielsweise über einen Aspekt mit Mars verbunden, könnten der „schöne Kampf“, die „stilisierte Gefahr“ oder der „intensive Tanz“ entsprechende Möglichkeiten sein.
Nimmt man die Rückläufigkeit als nach innen gerichtete Energie, so kommt man bei der Venus zu dem Schluß, daß hier eine Spur von Narzißmus vorzufinden sei. Venus als Symbol des Liebens auf sich selbst gerichtet zeigt eine Eigenliebe an. Oftmals ist dies aber auch eine Reaktion auf die Verhaltensmuster der Umwelt. Wenn man sich beziehungslos und ungeliebt fühlt, ist eine mögliche Antwort darauf, sich dann wenigstens selbst wichtig zu nehmen. Krankhaften Narzißmus bringe ich jedenfalls nicht mit der rückläufigen Venus in Verbindung. Vielmehr ist oft eine besonders ausgeprägte Naturliebe zu entdecken, die weit über das herkömmliche Modell einer Liebe zwischen zwei Personen hinausgeht. Meist braucht es seine Zeit, bis sich der Horoskopeigner dessen bewußt wird. Hat er die eigene Naturverbundenheit erkannt, so zieht er aus Waldspaziergängen, Gartenarbeit oder Tierpflege eine Menge Kraft. Sein Verständnis für alles Lebendige geht weit über das Übliche hinaus.
Als Symbol der Weiblichkeit wirkt sich die rückläufige Venus zudem in Horoskopen von Frauen auf deren Selbstbild als Partnerin aus. So breitet sich ein schales Gefühl aus, nicht Frau genug zu sein, bei den gängigen Mode- und Schönheitstrends nicht mithalten zu können und auf dem Markt der Beziehungen in „Rudis Reste-Rampe“ gelandet zu sein anstatt im „KaDeWe“. Die eigene Vorstellung von Weiblichkeit und femininer Sinnlichkeit ist nicht deckungsgleich mit dem, was um einen herum an typischem Geschlechtsrollen-Verhalten propagiert wird. Auch hier gilt es, eine individuelle Form des Frauseins zu entdecken und zu entwickeln. Haus und Zeichen, in denen Venus steht, geben hierbei weitere Aufschlüsse.
Über die Zyklen der rückläufigen Venus gibt es übrigens ein spannendes Wochenendseminar mit Sabine Bends; siehe
hier.
Über die Zyklen der rückläufigen Venus gibt es übrigens ein spannendes Wochenendseminar mit Sabine Bends; siehe
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* Britta Loose (17 Jahre). In: ...zu spüren, daß es mich gibt. Projekt "Schüler schreiben". Frankfurt/Main 1984, S. 116
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