Bericht aus dem astrologischen Praxisalltag

Bericht aus dem astrologischen Praxisalltag, 20.09.2010

Artikel von tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif Sabine Bends

Astrologische Beratung
Astrologisch gut zu beraten ist eine Kunst. In erster Linie denken wir als angehende Astrologen, dass es eine astrologische Kunst sei. Unsere Ängste und Sorgen gelten den Inhalten unserer Beratung: "Werde ich auch auf alle Fragen meines Klienten eine befriedigende Antwort finden? Werde ich mit seinem Horoskop etwas anfangen können?" Mit steigender Übung, Praxis und Deutungssicherheit, mit wachsenden Erfahrungen, Horoskopen und dazugehörigen Lebensgeschichten verschwinden diese Sorgen allerdings schnell im Hintergrund. 
 
Dann bekommen ganz andere Fragen Gewicht und der eigentliche Beratungsprozess tritt in den Vordergrund. Jetzt wird klar, dass astrologische Beratung vor allem auch eine Beratungskunst ist. In den meisten Fällen haben wir dafür jedoch wenig bis gar kein Handwerkszeug mitbekommen. Wir sind astrologisch geschult, aber nicht beraterisch. Wir lernen als angehende Astrologen, was eine Konstellation bedeuten könnte, aber wir wissen nicht unbedingt, worauf wir bei einem Beratungsgespräch wirklich zu achten haben. 
Vor allem, weil wir alles "richtig" machen wollen, tun sich zu Beginn unserer Beratungserfahrung eine Menge Fallen auf. Hier nur ein paar mögliche Fallen:
  • Wir glauben, jedem Klienten helfen zu müssen.
  • Wir sind überzeugt davon, auf alles eine Antwort haben zu müssen.
  • Wir wollen niemanden enttäuschen oder vor den Kopf stoßen.
  • Wir sind nicht darauf vorbereitet, mit Menschen in Krisensituationen umzugehen.
  • Wir sind mit unseren eigenen unterschwelligen Motivationen nicht vertraut. Dies macht uns anfällig für die Übernahme von Rollen, die unser Klient uns zuschreibt.
  • Wir haben Angst, uns zu irren oder Fehler zu machen.
  • Wir sind mit den Grundlagen von Gesprächsführung nicht vertraut und lassen uns die Führung aus der Hand nehmen.
Je nach Art und Temperament des Beraters können auch die Fallen ein wenig variieren, doch gibt es einige Punkte, die für einen beratenden Astrologen vor allem zu seiner Praxis heikel sind.
Der erste Schritt beginnt bei der Eigenanalyse des Beraters. Um nämlich herauszufinden, für welche der vielen kleinen Fallen wir tatsächlich anfällig sind, müssen wir zunächst wissen, was für ein Beratertyp wir eigentlich sind. Genauso wie jeder Mensch seinen Charakter hat, gibt es auch unterschiedliche Beratercharaktere. Diesen Typus für sich selbst herauszufinden, ist der erste Schritt, um zu wissen, in welchen Situationen man besonders achtsam sein muss. 
Ein Beispiel: 
Susanne ist ein klassischer Helfertypus: Einfühlsam und immer mitfühlend bringt sie allen Schwächen ihrer Klienten viel Verständnis entgegen. Ihr fällt es hingegen schwer, in einer Beratung auch mit sich selbst in Kontakt zu bleiben.  Dies macht sie anfällig für eine Beeinflussung durch ihren Klienten, auch wenn diese unabsichtlich und unbewusst geschieht. Sie gerät schnell in Rolle, in der sie ihr Gegenüber gern sehen möchte: der Retterin, die im Zweifelsfalle auch gegen ihre eigenen Überzeugungen verstößt, um den Klienten nicht zurückzustoßen. Ihre unbewussten Motivationen sind daran maßgeblich beteiligt.
 
Diese unbewussten Motivationen sind der nächste Schritt auf der Entdeckungsreise unserer Beraterpersönlichkeit. Von Kompensation eigener Ungeborgenheit, über das Vergnügen daran, Geheimnisträger zu sein, bis zum Wunsch, missionarisch tätig zu sein, verbirgt sich eine Fülle von versteckten inneren Antrieben in uns. Diese sind keinesfalls schlecht – ohne sie hätten wir wohl kaum gerade diesen Beruf gewählt. Nur sollten wir sie kennen. Denn dann kennen wir auch die Fallen, in die wir tappen können.
Wir alle sind durch bestimmte Erwartungen unserer Klienten verführbar. Einige von uns wären gern allwissend, andere wissenschaftlich anerkannt, wieder andere möchten heilen. Jegliche unbewusste Motivation bringt eine Reihe von Grundmustern des Verhaltens mit sich. Klienten, die diese Grundmuster ansprechen, passen wie ein Schlüssel in das Schloss unserer Motive, und bekommen automatisch das, was sie von uns haben wollen. Doch ist es das, was sie wirklich brauchen?
 
Tipp:
tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif Beratertraining - Astrologisch beraten wie ein Profi!